Vom 5. bis 8. Oktober führt das CZA zum zweiten Mal das Musical „Die Pilgerreise“ auf. 80 Gemeindemitglieder wirken an der Inszenierung mit - einen Einblick in die letzten Vorbereitungen liefert David Hock

Auf den Weg bringen: Eve Angelist (Viviane Sterzes) im ersten Dialog mit Christian (Norbert Redmann).

Eve Angelist (gespielt von Viviane Sterzer) und Christian (gespielt von Norbert Redmann) stehen vor dem Sumpf der Hoffnungslosigkeit. „Gibt es denn gar keinen Weg hindurch?“, fragt Christian. „Doch“, antwortet Eve Angelist entschlossen. Dann fängt sie an, mit einer Hand vor ihrem Gesicht zu wedeln. „Ganz schön viel Nebel“, bemerkt sie. Jetzt wieder als Viviane. Auch Christian verliert dadurch seine Rolle. „Wer hat die Maschine bedient?“, fragt Angela Mumssen als Regisseurin vom Bühnenrand aus. Die Szene ist unterbrochen. Die Teilnehmer der Samstagsprobe lachen. Cheftechniker Axel Christiansen gibt derweil Entwarnung: „Bei der Aufführung werden wir für diese Szene eine neue Nebelmaschine verwenden. Da kommen vorher vier Kilogramm Eis rein, sodass der Nebel wie gewünscht am Boden bleiben wird.“ Weniger als eine Woche ist es nun noch bis zur ersten von vier Aufführungen des Musicals „Die Pilgerreise“. Seit einem dreiviertel Jahr arbeiten mehr als 60 Mitglieder des Christus-Zentrum Arche daran, dass bei der Premiere am Donnerstag alles funktioniert – nicht nur der Nebel. 

Von 1678 bis 2017

„An die 40 Leute werden im Musical auf der Bühne stehen. Um Technik, Kostüme und Requisite kümmern sich weitere 20“, zählt Angela Mumssen, in der Gemeinde besser als Angie bekannt, auf. 20 Helfer kommen dann noch bei den Aufführungen als Ordner, Eintrittskarten-Kontrolleure und Würstchen- und Getränkeverkäufer hinzu. Angie selbst ist so etwas wie die Mutter des Gesamtprojekts: Gemeinsam mit Sönke Hausschild hat sie „The Pilgrim`s Progress“, ein von John Bunyan vor knapp 350 Jahren (1678) veröffentlichtes Werk, in das Theaterstück „Die Pilgerreise“ umgeschrieben. Vor drei Jahren hat sie es erstmals auf die Bühne gebracht; mehr als 1400 Zuschauer sahen sich damals an vier Abenden das Musical an. 9.750 Euro Spendeneinnahmen kamen der Elmshorner Tafel zugute. „Viele haben gefragt: `Macht ihr das nochmal?´“, erinnert sich Angie. Der Grund, warum sie diese Frage schließlich mit einem „Ja, im Oktober 2017“ beantworten konnte: „Weil wir es können. Wir haben all` die Talente, um ein solches Vorhaben umzusetzen, in der Gemeinde.“ Angie sieht es als ihre Aufgabe, „diese ans Licht zu bringen“.  

Regieanweisungen geben: Angie Mumssen im Gespräch mit ihrem Mann Pit Mumssen alias Theo Treu.Nach der positiven Resonanz bei den ersten Aufführungen ist der Regisseurin und Chorleiterin aber auch klar: „Die Messlatte liegt ziemlich hoch.“ Und die Zeit ist eng: Auch wenn Chor und Schauspieler seit Januar regelmäßig geprobt haben, auf der Zielgeraden läuft noch nicht alles wie in der Wunschvorstellung. „Normalerweise wäre ein anderes Bühnenbild im Hintergrund. – Der Vorhang ginge dann jetzt erst auf. – Bitte die letzte Textpassage nochmal!“ Immer wieder fallen Sätze wie diese bei der letzten öffentlichen Probe. Sie erklären, wie es werden soll – und offenbaren, dass es dafür noch einiges zu tun gibt. Eine der größten Herausforderungen; die Terminfindung: „Nach dem Ende der Sommerferien haben wir das Tempo deutlich angezogen, proben zweimal pro Woche. Da wir das alle ehrenamtlich machen, sind wir aber nie vollständig“, sagt Angie.

Von der Theaterprobe in die Nachtschicht

Teuflisch lachen: Als Widersacher übt Kay Siepmann Hohn und Spott.Viviane und Joel Sterzer zum Beispiel, Angies Tochter und Schwiegersohn, benötigen anderthalb Stunden Fahrzeit, um nach Elmshorn zu kommen. Die Donnerstagsproben mussten sie häufig absagen. „In den letzten Wochen hatte ich auch noch Nachtdienst. Da bin ich dann samstags nach der Probe direkt wieder nach Hause gefahren – um zur Arbeit zu gehen“, erzählt Viviane, die als Ärztin im Krankenhaus tätig ist. Das Ehepaar Sterzer feiert am Donnerstag doppelt Premiere; vor drei Jahren haben beide noch nicht mitgespielt. Nun schlüpft Joel in die Rolle des Willi Willig, Viviane hat gleich eine Hauptrolle übernommen: Aus dem Evangelisten, 2014 von ihrem Vater, Pastor Hans-Peter Mumssen, bekleidet, wird Eve Angelist. Die Aufgabe im Stück bleibt entscheidend: Sie ermutigt den Protagonisten Christian, sich aus der Stadt Verderben auf die Pilgerreise zum König zu machen. „Ich freue mich schon echt auf die Aufführungen“, sagt die 27-Jährige, um dann nachzuschieben: „Vor dem ersten Auftritt werde ich total aufgeregt sein. Das kenne ich von jeder Prüfung. Aber wenn ich dann erstmal dabei bin, läuft es.“

Kay Siepmann war 2014 bereits dabei. Die Rolle des Widersachers hat er damals als krankheitsbedingte Vertretung übernommen. „Da musste ich erstmal reinfinden“, sagt der 43-Jährige, der sich im Stück als „den vermeintlichen Herrscher im Fledermauskostüm“ sieht. Auf der Bühne schleicht Kay zwischen den Leuten umher. Er manipuliert sie, schüchtert sie ein. Sein Markenzeichen: die ausgebreiteten Flügelarme und ein höhnisches Lachen. In diesen Tagen ist der Schauspieler dabei, genau das wieder aufzufrischen.

Von der Inszenierung zum eigenen Leben