Artikel zur "offenen Gemeinde" für Sonntag, den 29.06.2014

43. Tag: Offener Himmel

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Künftig werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des Menschen!“
Joh. 1,51

Der Himmel steht offen

Seit Jesus auf diese Erde gekommen ist, hat sich etwas Entscheidendes verändert. Der Himmel, der seit dem Sündenfall verschlossen war, hat sich wieder geöffnet. Das wird an mehreren Stellen des Neuen Testaments deutlich. So war die Botschaft Jesu an die Menschen: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ (Matt. 3,2) Später, als Jesus am Kreuz starb, zeriss der Vorhang im Tempel zum Allerheiligsten. Auch das war ein Zeichen, dass sich der Himmel geöffnet hatte. Doch was bedeutet das praktisch für uns?

Eine gewaltige Auswirkung des offenen Himmels ist das Wirken des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist ja nicht nur in uns, sondern auch gleichzeitig in Gott. Er verbindet Himmel und Erde und lässt die ganze Gnade und Kraft Gottes in unsere vergängliche Welt hineinfließen. Dies geschieht jedoch nicht einfach an uns vorbei und auch nicht automatisch. Jesus lehrte seine Jünger, um den Heiligen Geist zu bitten. Später befahl er ihnen, in Jerusalem zu warten, bis sie vom Heiligen Geist erfüllt wurden. Ich denke, es muss uns immer wieder klar sein, dass der Heilige Geist kein Zusatzartikel im „Supermarkt“ Gottes ist. Im Gegenteil, er ist das Angeld auf unser himmlisches Erbe. Die Frage ist: Wollen wir es?

Mit dem Heiligen Geist kommen auch die Geistesgaben. Sie sind der Beweis auch für Außenstehende, dass Gott wirklich in unserer Mitte ist - der Himmel also offen ist. Am meisten die Gabe der Weissagung. Die Bibel fordert uns auf, nach diesen Gaben zu streben. Das sind zum Beispiel konkrete Auswirkungen des offenen Himmels.

Eine andere ebenso wichtige Auswirkung ist, dass wir durch den offenen Himmel mit der Ewigkeit in Verbindung stehen. Das wiederum nimmt uns den Schrecken vor dem Tod. Stephanus sah kurz vor seinem Märtyrertod Jesus im Himmel stehen. Er schaute im tiefsten irdischen Leid auf seine herrliche Zukunft. Das, wovor alle Welt davonläuft, hat für uns seinen Schrecken verloren. Gelobt sei Gott für einen offenen Himmel.

Die letzte spürbare Auswirkung ist die Gebetserhörung. Manchmal höre ich Leute sagen: „Mein Gebet ging heute nur bis zur Decke.“ Doch der Eindruck täuscht. Der Himmel ist offen. Jedes Gebet der Kinder Gottes erreicht das Herz des Vaters. In diesem Sinne lasst uns mutig hinzutreten, denn der Himmel ist offen!

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Samstag, den 28.06.2014

42. Tag: Offen für Liebe

Er wird dich mit seinem Fittich decken, und unter seinen Flügeln wirst du dich bergen, seine Treue ist Schirm und Schild.
Psalm 91,4

Liebe und Geborgenheit

„Hauptsache gesund!“ Diesen Satz höre ich häufig am Ende einer kurzen Begegnung mit Menschen, die ich lange nicht gesehen habe. Oft komme ich nicht mehr dazu, diesem Satz etwas zu entgegnen, weil das Gespräch damit beendet wird. Natürlich wünsche ich meinem Gegenüber Gesundheit, aber Gesundheit ist kein dauerhaft erfüllbarer Wunsch.

Ganz im Gegensatz dazu ist der Wunsch nach Liebe und Geborgenheit. Liebe und Geborgenheit drücken den Kern unserer tiefsten Sehnsüchte und Bedürfnisse aus. Und in der Begegnung mit unserem himmlischen Vater, in seiner Nähe, wird diese Sehnsucht, dieser Wunsch, zu einem dauerhaft erfüllbaren Wunsch. Um uns die Dimension von seiner Liebe und der daraus folgenden Geborgenheit zu erklären, bedient sich der Psalmist eines Bildes aus dem Tierreich.

Unser himmlischer Vater vergleicht seine Liebe zu uns mit einer Henne, die ihre Küken unter ihren Fittichen vor allen feindlichen Angriffen verbirgt und schützt. Dieses Bild beschreibt die unbegreifliche, ja sogar zärtliche göttliche Liebe, die er uns entgegenbringt. Er kommt uns in seiner Liebe und wunderbaren Fürsorge entgegen und bietet uns Wärme, Schutz und Sicherheit. Er wirbt um unser Vertrauen und garantiert die Erfüllung unserer Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Er sucht die Nähe seiner Kinder, unabhängig von Aussehen, Fähigkeiten und Charakter. Wir brauchen die Erfahrung dieser tiefen Liebe Gottes für unser Leben, für uns selbst und für andere. Denn Gott möchte, dass wir genau diese Liebe an andere weitergeben, sie unter „unsere Fittiche nehmen“ und ihnen Geborgenheit, Nähe und Schutz geben. Solch eine Liebe können wir nicht selbst produzieren, Gott persönlich legt sie durch seinen Geist in unser Herz. Lasst uns dafür offen sein, diese Liebe täglich zu empfangen und andere damit zu erreichen.

Brigitte Selent

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Freitag, den 27.06.2014

41. Tag: Offen für Liebe

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, so werdet ihr Söhne und Töchter eures Vaters im Himmel; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Matt. 5,44-45

Liebe investieren

Jeder möchte gern geliebt werden. Auch diejenigen, die in ihrem Leben schwer enttäuscht wurden, sehnen sich nach Liebe und Wärme. Doch manch einer bedenkt nicht, dass auch die Liebe nach dem Prinzip von Saat und Ernte funktioniert. Wer nichts sät, wird auch nichts ernten.

Nun sagte mir einmal eine Frau: „Ich habe mich leergeliebt.“ Sie meinte, sie habe immer wieder Liebe investiert, doch nichts zurückbekommen. So etwas gibt es. Manchmal ist es allerdings so, dass eine Person in ihrem Handeln erkennen lässt, dass sie etwas zurück erwartet. Wenn mich jemand einlädt und mir durch sein Verhalten zu verstehen gibt, dass er eigentlich darauf wartet, endlich einmal von mir eingeladen zu werden, dann kann sich kaum etwas unbelastet entwickeln. Doch es gibt auch den Fall, dass Menschen sich immer wieder in andere investieren, ohne etwas zurückzuerhalten.

Damit wir uns nicht „leerlieben“, hält Gott für uns ein unerschöpfliches Kontingent an Liebe bereit. Wir müssen uns allerdings auch dort bedienen. Wir lesen im Römerbrief folgenden Vers: Unsere Hoffnung aber wird uns nicht enttäuschen. Denn dass Gott uns liebt, ist uns unumstößlich gewiss. Seine Liebe ist ja in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat. (Röm. 5,5) Dieser Vers bringt alles zusammen. Unsere Hoffnung gegenüber Menschen kann sehr wohl enttäuscht werden, doch Gott repariert im gewissen Sinne unsere Enttäuschung, indem er uns mit seinem Geist erfüllt. In dieser Erfüllung fließt wiederum die ganze Liebe Gottes in unser Herz. Nun können wir wieder Liebe investieren. Deshalb ist es gut, Gott immer wieder um diese Erfüllung zu bitten.

Je mehr wir in diesem Liebesfluss stehen, desto mehr können wir auch Liebe investieren, ja sogar bei denen, die uns verfolgen oder verachten. Der oben aufgeführte Ausspruch Jesu ist demnach ein geistliches Ziel, welches Gott mit uns erreichen will. Und was müssen wir dazu tun? Zur Quelle gehen und von Gottes Liebe trinken.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Donnerstag, den 26.06.2014

40. Tag: Offen für Liebe

Ein Samaritaner aber, der unterwegs war, kam vorbei, sah ihn und fühlte Mitleid.
Luk. 10,33

Der barmherzige Samariter

Ein Mensch wurde auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho von Räubern überfallen und halb tot liegen gelassen. Wie konnten der vorbeikommende Priester und der Levit ihn einfach liegen lassen und ihrer eigenen Wege gehen? Auf den zweiten Blick glaube ich, dass wir mehr mit den beiden gemeinsam haben, als wir meinen:

Die Wegstrecke zwischen Jerusalem und Jericho beträgt etwa 25 km. Will man diese zu Fuß an einem Tag bewältigen, muss man 6 bis 8 Stunden stramm gehen - einen steinigen und steilen Weg durch eine abgelegene Gegend. Dieser Weg war in der damaligen Zeit als „Blutiger Weg“ bekannt war. Reisende fielen hier regelmäßig skrupellosen Verbrechern zum Opfer und wurden ausgeraubt. Man kann also annehmen, dass alle, die auf diesem Weg gingen, etwas wirklich Wichtiges in Jericho zu erledigen hatten, denn niemand geht freiwillig das Risiko ein, ein Raubopfer zu werden. Außerdem, woher wusste man, dass der Mann, der augenscheinlich zerschunden am Boden lag, nicht selbst ein Verbrecher war? Räuber in der damaligen Zeit sahen auch so ungepflegt aus. Vielleicht wollte er die Reisenden nur täuschen und anlocken, um sie auszurauben, sobald sie sich helfend zu ihm niedergebeugt hatten.

Hier möchte ich einmal innehalten und uns all die Menschen in Erinnerung rufen, denen wir nicht geholfen haben, weil wir keine Zeit hatten, Termine eingehalten werden mussten, weil wir Angst hatten, übervorteilt zu werden oder auch Angst, selbst unter die Räder zu kommen.

Auch der Samaritaner wollte wohl eiligst aus den oben genannten Gründen von Jerusalem nach Jericho. Doch als er den Unter-die-Räuber-Gekommenen sah, stellte er sich eine Frage NICHT: „Was wird aus mir?“ „Er fühlte Mitleid“, so beschreibt es die Bibel. Und das war für ihn Grund genug, seinen Tagesablauf zu unterbrechen und einem ihm völlig Fremden zu helfen. Genau dieses Verhalten bezeichnet Jesus als „Nächstenliebe“. Ich möchte uns allen Mut machen, sich diese Frage „Was wird aus mir?“ ebenfalls einmal NICHT zu stellen, sondern da zu helfen, wo wir innerlich gedrängt werden und dem in uns aufkommenden Mitleid Taten folgen zu lassen.

Esther Dymel-Sohl

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Mittwoch, den 25.06.2014

39. Tag: Offen für Liebe

Wer seine Geschwister liebt, lebt im Licht und bleibt im Licht, und nichts kann ihn zu Fall bringen.
1.Joh. 2,10

Nächstenliebe: Gemeinde

Gemeinde ist wirklich eine Herausforderung an die Liebe. Erstens haben wir uns die Menschen nicht ausgesucht, die zur Gemeinde gehören. Jesus selber baut seine Gemeinde und führt die Menschen hinein. Zweitens sind wir in der Gemeinde aufgefordert, gemeinsame Wege zu gehen. Ob es sich um die Art des Gottesdienstes handelt oder um die Musik, um den Umgang mit Gästen oder um die Farbe des Gottesdienstraumes - ständig müssen wir gemeinsame Lösungen finden. Da nun fast jeder von sich vermutet, seine Ansicht wäre die Beste, sind das keine einfachen Prozesse. Wenn dann noch jemand meint, der HERR selber hätte ihm gezeigt, wie der Gottesdienstsaal aussehen soll, wird alles noch ein wenig schwieriger. Doch die Krönung aller Schwierigkeiten ist, wenn jemand sich durch ein Gemeindemitglied verletzt oder herabgesetzt fühlt. Dann, ja dann - was macht man dann?

Einige wechseln die Gemeinde und sagen: „Hier ist keine Liebe.“ Andere suchen Menschen, die ähnlich verletzt sind. Wieder andere leiden still, versuchen aber, treu zu bleiben. Doch es gibt noch einen Weg, mit diesen Widrigkeiten umzugehen - einen Königsweg:

Gehen wir einmal davon aus, Gott selber hat die Gemeinde so zusammengesetzt, dass solche Spannungen vorprogrammiert sind. Weshalb sollte er das tun? Ich meine, damit wir lernen, alles aus seiner Hand zu nehmen und seinen Ausweg zu suchen. Einen Weg, der immer darauf aus ist, die Liebe als höchsten Wert nicht zu zerstören. Doch führt das nicht dazu, dass wir Unrecht einfach dulden, damit die Liebe nicht zerstört wird? Nein, allerdings sollten wir Liebe nicht mit Harmonie verwechseln. Wir sind es einander schuldig, die Dinge ans Licht zu bringen, doch dann, wenn sie am Licht sind, einander zu vergeben. Auch sind wir es Gott schuldig, im Licht zu leben. Das beinhaltet wiederum, dass wir den Glaubensgeschwistern nichts vorspielen. Wenn wir nun lernen, so mit Gott und miteinander umzugehen, wer kann uns da noch zu Fall bringen? Niemand! Deshalb lasst uns Gott für die Gemeinde danken, auch für die Dinge, die uns nicht gefallen. Am Ende werden wir stärker dastehen als vielleicht gerade heute.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Dienstag, den 24.06.2014

38. Tag: Offen für Liebe

Achtet darauf, daß nicht irgend jemand die Gnade Gottes ungenutzt lasse, daß auch kein Giftkraut der Bitterkeit aufkomme!
Hebräer 12,15

Nächstenliebe: Familie

„Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet.“ Ich mag die deutliche, bildhafte Sprache Martin Luthers. Kaum einem ist dieser Bibelvers geläufig. Der Vers, der davor steht, allerdings schon: „Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!‘“ (Galater 5, 14). Unser Eingangszitat ist Vers 15 und Vers 13 lautet: „Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern.“

Gerade wenn ich mir das Thema „Offen für Nächstenliebe in der Familie“ vornehme, so sind diese drei Bibelverse sehr wichtig und sollten nicht isoliert betrachtet werden.

Nächstenliebe in der Familie! Spontan denkt der eine: „Das ist nicht schwer. Meine Mutter zu lieben, das fällt mir leicht, sie ist so eine liebevolle Person.“ Der andere denkt vielleicht: „Wie soll ich meine Mutter lieben? Ich bin froh, dass ich seit Jahren den Kontakt zu ihr abgebrochen habe. Sie ist eine so manipulative Person!“ Wieder ein anderer kommentiert spöttisch/bitter: „Tja, Familie kannst du dir nicht aussuchen!“ Stimmt! Aber: Ich kann meine Verwandten lieben! Genauso, wie mir Gott die Freiheit schenkt, an ihn und ihm zu glauben, sind wir auch frei, unsere Familie abzulehnen oder anzunehmen. Doch eines ist gewiss: Familienmitglieder zu „beißen“ und abzulehnen, kostet Kraft und bewirkt immer mehr Verschlossenheit.

Ja, und wenn da so gar keine Liebe in mir ist, für meine Eltern, meine Kinder, meinen Onkel etc.? Dann kann ich Gott bitten, dass er mir Liebe für eben diese Verwandtschaft schenken möge.

„HERR, schenke mir Liebe für XY.“ Dieses Gebet wirkt stimmig. Oder würden wir so beten: „Herr, hilf mir, dass ich XY so richtig hassen kann“? Wie sollte Gott, der doch Liebe ist, ein solch zerstörerisches Gebet erhören!

„Beißen“, „Fressen“, „Hassen“ bewirken Einsamkeit und Verbitterung. Sich für Liebe zu öffnen, garantiert die Gemeinschaft mit Jesus Christus und dem Heiligen Geist.

Bernd Hock

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Montag, den 23.06.2014

37. Tag: Offen für Liebe

Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.
Psalm 73,25

„Gott, ich gehöre zu dir und du zu mir!“

Viele Dinge in unserem Leben als auch in der Bibel bleiben unerklärlich, wenn der Schlüssel zum Kern des Lebens fehlt. Dieser Schlüssel kann mit einem Wort beschrieben werden: Liebe! Wenn wir Liebe nicht oder falsch verstehen, verstehen wir am Ende gar nichts mehr, denn alles dreht sich letztendlich um sie.

Was ist nun Liebe?

Häufig wird sie als ein Gefühl der Zuneigung, eine Art Magnetismus zwischen Personen beschrieben. Liebe und Verliebtheit werden teilweise nicht unterschieden. Das kann zu großen Irritationen führen. So reden einige Verkündiger von der „Menschenverliebtheit Gottes“. Andere sagen: „Ich bin verliebt in Jesus!“

Nun lautet ja das oberste Gebot, dass wir Gott aus ganzem Sinn, Herzen und Verstand lieben sollen, und unseren Nächsten wie uns selbst. Wie machen wir das? Sollen wir ständig gefühlsmäßig unter Strom stehen? Ich halte das für eine völlige Überforderung. Liebe besteht nicht nur aus unseren Gefühlen. Oder anders gesagt: Unsere Gefühle bewirken nicht Liebe, sondern Liebe wirkt auch auf unsere Gefühle!

Doch wie können wir diese allumfassende Liebe beschreiben? Ich meine über das Dazugehören! Der Psalmist sagte: „Wenn ich nur dich habe.“ Er möchte zu Gott gehören, wie ein Kind zum Beispiel zu seinen Eltern gehören möchte. Ein Mensch, der Gott liebt, möchte zu Gott gehören. Diese tiefe Sehnsucht treibt ihn, selbst wenn er Gott noch gar nicht kennt. Sowie die Hektik des Alltags verklungen ist, meldet sie sich. „Wo finde ich Gott?“ „Wo finde ich die Wahrheit über Gott?“ Diese Fragen bewegen ihn in der Tiefe des Seins. Und dann, irgendwann kommt der große Augenblick: Jesus Christus begegnet diesem Menschen. „Was, du suchst auch mich?“ Plötzlich verbinden sich zwei Komponenten: „Eigentlich wollte ich schon immer zu dir gehören, mir war es nur nicht bewusst. Doch nun weiß ich sogar, dass du auch zu mir gehören willst!“ Eine tiefe Liebe kann beginnen. Eine Liebe, die durch alles hindurch Bestand hat, ob Zuneigung oder Abneigung, ob Verstehen oder Ablehnung, ob Lob oder Anklage, ob Segen oder Fluch, Himmel oder Erde - diese Liebe ist größer. Sie sagt: „Gott, ich gehöre zu dir und du zu mir!“

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Sonntag, den 22.06.2014

36. Tag: Offen für Liebe

Die Welt würde euch als ihre Kinder lieben, wenn ihr zu ihr gehören würdet. Aber ich habe euch aus der Welt herausgerufen und ihr gehört nicht zu ihr.
Johannes 15,19

Gott spricht: „Ich gehöre zu dir und du gehörst zu mir.“

Zugehörigkeit kann entscheidend sein, sowohl zum Guten wie zum Schlechten. So war es während des Dritten Reiches vorteilhaft, zur Partei zu gehören, aber nach dem Krieg war dieselbe Zugehörigkeit plötzlich von Nachteil. Es gibt Zugehörigkeiten, die wir uns aussuchen können, andere wiederum nicht. Wir können z.B nicht bestimmen, wo wir geboren werden, wo wir leben, aber schon, zumindest in unseren Breitengraden. Es gibt Zugehörigkeiten, die wir anstreben, andere wollen wir nicht. All das hängt immer auch von unserer jeweiligen Neigung ab. Da diese nicht immer konstant ist, wechselt auch unser Bedürfnis, hier oder dort dazu zugehören. Dies geschieht sowohl in Beziehungen als auch in anderen Bereichen. Neigung und Zugehörigkeit gehören also zusammen.

Unser Bibelwort geht da noch ein Stück weiter. Die Welt würde euch als ihre Kinder lieben, wenn ihr zu ihr gehören würdet. Hier werden Liebe und Zugehörigkeit in Zusammenhang gebracht. „Ich liebe dich, wenn du zu mir gehörst. Weil du aber nicht zu mir gehörst, liebe ich dich nicht.“ Wie anders ist da Gott! „Ich liebe dich! Ich will zu dir gehören, weil ich dich liebe.“ Das Erstgenannte ist die Liebe, für die man Bedingungen erfüllen muss. Gottes Liebe hingegen ist bedingungslos. Sie ist da, weil er da ist und weil wir da sind. Das ist eine echte Liebesgeschichte!

Wenn Liebe in unser Leben kommt, löst sie Folgendes aus: Ich sehne mich danach, mit dieser Person zusammen zu sein. Ich möchte sie glücklich machen. Ich interessiere mich für das, was ihr wichtig ist. Ich schäme mich nicht, mit ihr zusammen zu sein, sondern ich will zu ihr gehören.

So ging es Gott mit uns. Deshalb hat er seinen Sohn gesandt. Dieser hat uns aus der Welt herausgerufen. Oder anders gesagt: Er hat uns aus der Liebe herausgerufen, die Bedingungen stellt. Dazu gehören wir jetzt nicht mehr. Wir gehören zu ihm. Wir gehören zu dem, der Liebe ist. Liebe, die unverdient und bedingungslos in unser Leben hineingeflossen ist, weil er zu uns gehören wollte. Nicht nur heute, sondern für alle Ewigkeit.

Angela Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Samstag, den 21.06.2014

35. Tag: Offen für Verwandlung

Johannes sagte zu Jesus: „Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern, weil er nicht mit uns zusammen dir nachfolgt.“ Doch Jesus gab ihm zur Antwort: „Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.“
Luk. 9,49-50

Die Engel-Skala

Das ist schon eine erstaunliche Begebenheit, die hier berichtet wird. Die Jünger Jesu entdeckten jemanden, der im Namen Jesu handelte, sich ihnen aber nicht anschließen wollte. Ihre automatische Reaktion war: Das darf der nicht. Es gab also eine klare Grenzziehung: Handeln darf nur, wer auch dazugehört. Diese Art der Grenzziehung kenne ich nur allzu gut. Gemeinden arbeiten so und auch ganze Kirchenbünde. Doch Jesus hob diese Grenzziehung auf. Er sah die Menschen offensichtlich anders. Auch wer dazugehört, bestimmt am Ende immer noch er, nicht unsere Grenzen. Doch wie sieht Jesus die Menschen?

Es gibt eine Skala, die aufzeigen soll, dass die Bewegung auf Christus zu schon viel früher als bei der Bekehrung beginnt. Sie nennt sich Engel-Skala. Gerade diese Skala macht die Notwendigkeit einer offenen Gemeinde deutlich, damit die Prozesse auf Christus zu Raum in der Gemeinde finden können. Hier erst einmal die Engel-Skala:

(-8) Keine Kenntnis über die Existenz von Jesus, Evangelium und Christen
(-7) Kein Bewusstsein über die reale Existenz Jesu Christi
(-6) Bewusstsein über die Existenz Jesu Christi
(-5) Einige Kenntnisse des Evangeliums
(-4) Verständnis der Grundlagen des Evangeliums
(-3) Verstehen der persönlichen Bedeutung
(-2) Erkenntnis der Notwendigkeit einer persönlichen Entscheidung
(-1)  Herausforderung und Entscheidung für Jesus
( 0) Bekehrung, Entscheidung für Jesus
(+1) Überprüfung / Bestätigung der Entscheidung, evtl. Taufe
(+2) Eingliederung in eine Gemeinde, ggf. Taufe
(+3) Erreichen einer gewissen geistlichen Reife, Jüngerschaft
(+4) Aktives Weitersagen des Evangeliums
(+5) Bewusste Anleitung anderer zur Jüngerschaft

Oft wird der Fokus nur auf die Bekehrung gelegt: „Wie viele haben sich denn da und da bekehrt?“ Dadurch werden die Schritte vor der Bekehrung übersehen und die nach der Bekehrung für nicht notwendig geachtet. Die Engel-Skala hilft uns, Menschen anders zu betrachten.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Freitag, den 20.06.2014

34. Tag: Offen für Verwandlung

Dieses "Noch einmal" aber zeigt an, dass das, was erschüttert werden kann, weil es geschaffen ist, verwandelt werden soll, damit allein das bleibe, was nicht erschüttert werden kann.
Hebräer 12,27

Falsche Sicherheiten

Wenn ich als Bauchredner und Entertainer unterwegs bin, spiele ich manchmal ein Stück, in dem meine Handpuppe Erwin und ich uns fragen, wie man dumme und falsche Gewohnheiten loswird. Irgendwann erfahren wir, dass Gott verwandeln will und der Heilige Geist uns hilft, „blöde, hässliche Flecken“ auf unserem Charakter los zu werden. Zur Verdeutlichung werfe ich dann ein total schmutziges und beflecktes, ursprünglich weißes Taschentuch in einen Beutel, hole es nach kurzer Zeit wieder heraus und: Es ist strahlend weiß! Kein Fleck! Staunen und Applaus!

Ach, wenn es nur so einfach wäre mit der eigenen Verwandlung! Falsche Traditionen und Gesetzlichkeiten können so hinderlich sein für ein befreites und mit Freude erfülltes Christenleben.

„Psychologie ist vom Teufel!“
„Wenn man regelmäßig Skat spielt, muss man sich nicht wundern, wenn chronische Krankheiten nicht besser, sondern schlimmer werden!“
„Wie bitte? In eurer Gemeinde dürfen Frauen predigen?“
„Wahrscheinlich haben meine Vorfahren schwer gesündigt, deshalb geht es mir so schlecht!“

Solche Gedanken bewirken bei uns Angst, Misstrauen und ein starres Festgelegtsein.

Es gibt jedoch eine wichtige Parallele zu meinem erwähnten „Zaubertrick“. Der Beutel, in den Erwin und ich das Tuch stecken, ist oben offen! Sonst könnten wir weder das dreckige Tuch hineinstecken noch das saubere Tuch herausholen!

Eben das Offensein nach oben ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Gott uns in das wunderbare Bild Jesu verwandeln kann!

Wäre es nicht großartig - ich glaube nahezu erwecklich -, wenn folgende Verwandlung bei den Kindern Gottes stattfinden würde: Weg von „Ich muss heiliger werden!“, „Ich bin noch ungenügend für Gott!“? Stattdessen hin zu: „Das Erlösungswerk Gottes durch Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung sind ausreichend! Darin liegt die Kraft, auch mich in das Bild Jesu zu verwandeln!“ Durch Jesus bin ich nicht mehr der, der ich mal war! Ich werde verwandelt und bin ein für alle Mal befreit; auch von Gesetzlichkeit und falschen Traditionen.

Bernd Hock

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Donnerstag, den 19.06.2014

33. Tag: Offen für Verwandlung

Geschwister, ich bilde mir nicht ein, das Ziel schon erreicht zu haben. Eins aber tue ich: Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt, und laufe mit ganzer Kraft dem Ziel entgegen, um den Siegespreis zu bekommen - den Preis, der in der Teilhabe an der himmlischen Welt besteht, zu der uns Gott durch Jesus Christus berufen hat.
Phil. 3,13-14

Gezogen oder geschoben?

Was treibt uns an? Die Antwort auf diese Frage bestimmt unser Leben. Auch in unserer Jesusnachfolge spielt es eine große Rolle, was uns antreibt, ob uns überhaupt etwas antreibt. Christen können da sehr verschieden sein.

Die einen leben in den Tag hinein und lassen sich von kurzfristigen Interessen leiten. Sie glauben an Jesus Christus, doch ihr Ziel ist es nicht, ihm Tag für Tag ähnlicher zu werden. Es geht eigentlich mehr darum, was Jesus für sie tun kann. Solche Christen müsste man ständig antreiben, ihr Leben mehr auf Jesus auszurichten. Ist der Druck jedoch nicht mehr da, fällt alles wieder ins Alte zurück.

Andere sind das glatte Gegenteil und wollen ganz viel für Gott tun. Sie sind allerdings nicht besonders geduldig, sondern ärgern sich über jeden, der nicht so initiativ ist wie sie. Doch welches Ziel verfolgen sie? Paulus, von dem das obige Bibelzitat stammt, hatte nur ein Ziel: mit Jesus völlig verbunden zu sein. Er arbeitete zwar sehr viel, evangelisierte, gründete Gemeinden, kümmerte sich um die jungen Christen, lehrte und arbeitete noch nebenbei als Zeltmacher. Doch das war alles nicht sein Ziel. Sein Ziel war, mit Jesus im Leiden und in der Verherrlichung verbunden zu sein. So kann, aber muss ein initiativer Mensch nicht unbedingt die innere Verwandlung in das Bild Christi anstreben.

Doch wenn es auch Christen gibt, die zu Jesus hin geschoben werden müssen, es gibt wiederum viele, die von der Liebe zu Jesus gezogen werden. Sie wollen sich verändern lassen, weil ihnen nichts wichtiger ist als Jesus Christus. Solche Christen bilden das Fundament einer offenen Gemeinde. Und jeder von uns kann so werden. Es geht nämlich nicht um eigene Anstrengungen, sondern darum, sich der verändernden Kraft des Heiligen Geistes auszusetzen. Er wird dann das gute Werk in uns vollenden!

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Mittwoch, den 18.06.2014

32. Tag: Offen für Verwandlung

Genauso, wie ein neugeborenes Kind auf Muttermilch begierig ist, sollt ihr auf Gottes Wort begierig sein, auf diese unverfälschte Milch, durch die ihr heranwachst …
1.Petrus 2,2

In Gottes Größe hineinwachsen?!

„Huhu, Mama, guck mal! Papas Schlafanzug passt uns schon!“ Meine beiden Söhne - damals noch klein - hüpften juchzend auf dem Bett herum. Hoffentlich hielt der Lattenrost! Der eine war in die riesengroße Hose des Papas gestiegen und hielt sie mit beiden Händchen krampfhaft fest, während er auf den herumschlackernden Hosenbeinen hin und her sprang. Vom anderen sah ich nur den hin und her hüpfenden Kopf, der aus dem gigantischen Oberteil herausragte. Ich musste lachen! Passen ist was anderes!

Manchmal kommt es mir so vor, als würden wir in demselben Verständnis unser Christsein leben. Wir sind in einem Wachstumsprozess, der Heiligung. Gott selbst will, dass wir in seine Größe hineinwachsen. Und wir? Wir hüpfen fröhlich in der Gegend herum und meinen, schon ziemlich gut in Gottes Maße hineinzupassen.

Mancher fühlt sich verantwortlich, solch einem Christus-Kind klarzumachen, wie weit weg es noch von Gottes Größe ist. Gute Ratschläge sind schnell verteilt: Du musst mal mehr dieses, lass mal das. Sei öfter so, vermeide jenes. Dann wirst du innerlich wachsen und dem Wesen Gottes ähnlich. Stimmt das?

Geben wir denn unsern Kindern Tipps, wie sie schneller wachsen können? Natürlich nicht - denn das wäre Unsinn. Der Wachstumsprozess ist in ihrer DNA festgelegt und wird auch erfolgreich voranschreiten, wenn ihr Körper gesund und gut ernährt ist. Auch inneres Wachstum braucht Zeit und nicht wir, sondern Gott legt fest, wie lange es dauert. Wir können jedoch Wachstum verhindern, wenn wir uns falsch ernähren und undiszipliniert leben. Das Wort Gottes ist die Nahrung für den inneren Menschen. Wer ständig eine Bibel-Diät macht, ist bald unterernährt und verhindert so geistliches Wachstum. Vertrauen wir einfach Gott, dass er uns innerlich reifen lässt und wir immer mehr in seine Größe hineinwachsen. Doch lasst uns darauf achten, regelmäßig gesunde, geistliche Nahrung aufzunehmen, Gottes Nähe zu suchen, die Bibel zu lesen und darauf zu hören, was er uns zu sagen hat.

Übrigens: Heute passt meinen Söhnen der Schlafanzug ihres Vaters.

Esther Dymel-Sohl

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Dienstag, den 17.06.2014

31. Tag: Offen für Verwandlung

Legt den ganzen alten Menschen ab, der seinen Begierden folgt! Die betrügen ihn nur und führen ihn ins Verderben. Lasst euch in eurem Denken erneuern durch den Geist, der euch geschenkt ist. Zieht den neuen Menschen an, den Gott nach seinem Bild geschaffen hat …
Eph. 4,22b-24a

Gottes Umkleidekabine

Für verschiedene Anlässe haben wir gewöhnlich auch verschiedene Kleidungsstücke. So ziehe ich zu einer Hochzeit den besten Anzug an, den ich besitze. Selbst Personen, die sonst nur mit sehr lässiger Kleidung herumlaufen, werfen sich zu solch einem Anlass in Schale. Muss ich dagegen Reparaturen am Haus durchführen, lass ich meinen besten Anzug tunlichst im Schrank und ziehe etwas an, das dreckig werden darf. Es gibt also verschiedene Gründe, seine Kleider zu wechseln. Einen sehr speziellen möchte ich nun betrachten:

Es gibt Veranstaltungen, bei denen herrscht eine Kleiderordnung. Man wird dort z. B. nur mit Smoking oder Abendkleid hineingelassen. Anders gekleidete Personen werden schon an der Tür abgewiesen. Mag sein, dass jemand so etwas altmodisch findet, doch genau so wird uns das Himmelreich beschrieben. Dort herrscht eine Kleiderordnung. Hinein kommt man nur mit dem weißen Kleid der Gerechtigkeit. Dieses Kleid bekommt man zwar kostenlos, doch nur, weil jemand für uns den Preis bezahlt hat: Jesus Christus. So erhalten wir dieses Kleid auch nur bei ihm. Wer also mit Gott verbunden sein will, zieht dieses Kleid an. Und wer mit ihm verbunden bleiben will, zieht es auch nicht wieder aus.

Ganz ähnlich, wie beim Kleid der Gerechtigkeit, ist es mit dem neuen Menschen. Eigentlich ist es dasselbe Kleid aus zwei Perspektiven betrachtet. Beim Kleid der Gerechtigkeit geht es darum, wie wir von Gott gesehen werden. Beim Kleid des neuen Menschen geht es darum, was andere Menschen an uns sehen. Sehen sie Christus in uns oder die alte Natur mit ein paar christlichen Vokabeln?

Leider ziehen etliche Christen im Alltag den neuen Menschen wieder aus. Einige meinen, das Himmelreich passt nicht in den derben Alltag. Doch genau dort will es hin. Wenn uns Gott in sein Bild verwandelt, wird sich das zum größten Teil in unserem Alltagsleben auswirken. Bei Gott dürfen und sollen wir immer unser Hochzeitskleid tragen, auch im rauen Alltag.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Montag, den 16.06.2014

30. Tag: Offen für Verwandlung

Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Römer 8,29

Werden wie er

Als Gott den Menschen schuf, hatte er einen Plan. Als er Jesus auf die Erde sandte, hatte er einen Plan. Als er uns entstehen ließ, hatte er einen Plan. Ist uns das eigentlich bewusst? Wir sind nicht aus Versehen hier oder aus einer Laune des Schicksals heraus, sondern weil Gott - der allmächtige Schöpfer - es so wollte. Er hat sich etwas dabei gedacht.

Nun ist es für uns als sterbliche Menschen ja nicht immer leicht, Gottes Pläne zu verstehen. Deshalb hat Gott sein Wort - die Bibel - und seinen Geist gegeben. Während das Wort nun etwas ist, was wir lesen, hören, in uns aufnehmen müssen, wohnt der Geist in uns. Er führt uns in alle Wahrheit. Das tut er, indem er uns das Wort groß macht und uns hilft, das zu verstehen, was Gott zu uns redet.

Lassen wir das einmal so auf uns wirken: Schon bevor ich geboren wurde, hat Gott etwas für mich geplant. Damit das in Erfüllung gehen kann, hat er seinen Sohn gegeben. Jesus steht zu mir in direkter Beziehung. Er ist mein großer Bruder - der Erstgeborene unter viele Brüdern und Schwestern. Ich habe also viele Brüder und Schwestern. Für uns alle hat Gott ein Ziel: Wir sollen so wie Jesus werden - seinem Bild gleich.

Ja, wenn das mal so einfach wäre! Leider landen wir nach so manchem geistlichen Höhenflug auf unserm äußerst menschlichen Bauch. Ein Freund bedauerte einmal lebhaft das Auferstehungsvermögen des alten Menschen, wogegen der neue oft an Schwäche zu leiden schien. Hat Gott sich etwa geirrt?

Nein. Es ist einfach so, dass der neue Mensch nichts aus sich selbst heraus tun kann. Er braucht die unmittelbare Verbindung zu Gott - seinen Geist. Und er braucht Nahrung - das Wort.

Als Jesus auf die Erde kam, war er ein Baby. Auch wir sind wie Babys, wenn wir von Neuem geboren werden. Wir haben quasi göttliche DNA, aber wir sind noch nicht fertig. Sogar Jesus musste heranwachsen und im Geist reifen. Das ist bei uns ebenso. Wichtig ist, dass wir darauf achten, den neuen Menschen zu versorgen. Das Wachstum schenkt dann Gott.

Bei mir unmöglich? Bei Gott schon! Er sieht mich bereits im Bild seines Sohnes.

Angela Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Sonntag, den 15.06.2014

29. Tag: Offen für Verwandlung

Jesus sagt: „Wenn jemand mich liebt, wird er sich nach meinem Wort richten. Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“
Joh. 14,23

Christus in uns

Eines der wichtigsten Themen in Bezug auf „Offene Gemeinde“ ist die Verwandlung in das Bild Christi. Es gibt einen Leitsatz, der uns helfen kann, den Zusammenhang zwischen Mission und Verwandlung (Heiligung) zu verstehen. Denn dieser ist das, was eine offene Gemeinde ausmacht: „Nur wer in Bewegung auf Christus zu ist, kann andere in die gleiche Richtung bewegen!“

Häufig verstehen Christen Mission so, dass sie jemand zu Jesus schicken. Doch das Einzige, was Menschen heute von Jesus sehen können, sind wir, seine Kinder. Jesus selbst schickte die Menschen nicht zum himmlischen Vater, sondern hat ihnen den Vater gezeigt: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Joh. 14,9b) Diese Berufung überträgt der Herr nun auf uns: „Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich nun euch.“ (Joh. 20,21b)

Das ist ja eine totale Überforderung! Wie sollen wir uns denn permanent wie Jesus verhalten, womöglich noch spektakuläre Wunder tun? Die Lösung ist, dass Jesus gemeinsam mit Gott dem Vater im Geist in uns einziehen und von dort aus uns verwandeln will. Deshalb sprechen wir über Verwandlung und nicht nur über Veränderung. Reden wir von Veränderung, so meinen wir meistens etwas, was wir selbst bewerkstelligen können. Ist z.B. jemand unordentlich, so sagen wir: „Verändere mal dein Verhalten.“ Doch ich habe noch nie gehört, dass jemand gesagt hat: „Sei wie Jesus!“ Wir sagen dann eher: „Benimm dich bitte christlicher!“

Bei einer Verwandlung in das Bild Christi geht es aber nicht um das Einhalten von Benimmregeln, sondern um eine tiefe Veränderung (Transformation) unserer Persönlichkeit. Das können wir nicht aus uns heraus - nur Christus in uns kann das bewirken! Obwohl wir diese Verwandlung nicht selber erzeugen können, erwartet Gott unsere Mitarbeit. Erst einmal die Bereitschaft und den Wunsch, in das Bild Jesu geformt zu werden, und dann auch das, was die Bibel „nachjagen“ nennt: „Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.“ (Phil. 3,12)

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Samstag, den 14.06.2014

28. Tag: Offen für Verantwortung

"Mein Vater, wenn es nicht anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss, dann soll dein Wille geschehen."
Matt. 26,42

Ja, ich!

Während eines EKGs in der Uniklinik schaute die medizinische Fachkraft, die diese Untersuchung begleitete, auf das Papier, welches der Apparat freigab, runzelte die Stirn und fragte mich: „Geht es Ihnen gut?“ - „Ja, bestens!“ Darauf zog sie eine Kollegin hinzu, die mit einem sehr skeptischen Blick kommentierte: „Das sieht nicht gut aus, da soll der Professor gleich noch einmal einen Blick drauf werfen.“ Dann gingen sie. Panik und Angst machten sich breit. Nicht zuletzt deshalb, weil ich auf das Gespräch mit dem Professor noch mehrere Stunden warten musste. Der war jedoch überhaupt nicht beunruhigt. „Nein, Herr Hock, das sieht nur auf den ersten Blick so aus, ist aber bei jemand, der einen Herzschrittmacher trägt, vollkommen normal.“ Ich konnte es gar nicht fassen und fragte noch ein zweites Mal nach. Da sagte der Professor etwas, was ich selten von Ärzten gehört habe und was mich zutiefst freute: „Herr Hock, es ist alles in Ordnung, ich übernehme die volle Verantwortung; machen Sie sich keine Sorgen!“

Ein wunderbares Geschenk, wenn wir Menschen um uns haben, die Verantwortung übernehmen. Sie geben Sicherheit und haben etwas Befreiendes.

In Matthäus 26,42 übernimmt Jesus in einer Form Verantwortung, wie es kein anderer je getan hat und je wieder tun könnte: „Jesus ging ein zweites Mal weg und betete: »Mein Vater, wenn es nicht anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss, dann soll dein Wille geschehen.«“

Er trug die Schuld der ganzen Welt und machte den Weg zu Gott für uns wieder frei.

Das Vorbild von Menschen und die „Liebestaten“ Gottes machen mir Mut, auch mich selbst angesprochen zu fühlen und Verantwortung zu übernehmen! Offen zu werden und zu erkennen: „Ja, ich!“ Ich bin auch gemeint! Ich will offen für Verantwortung sein, ich kann sie tragen. Warum? Weil der, der die allergrößte Verantwortung auf sich geladen hat, Gottes Sohn, in mir lebt, er trägt mit mir!

Ob in meiner Familie, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde oder in meinem ganz persönlichen Leben: Ich will offen sein, mich neuer Verantwortung zu stellen, mit der in Gottes Wort gegründeten Gewissheit, „dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Römer 8,28). Ob ich dies nun gerade fühle oder nicht.

Bernd Hock

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Freitag, den 13.06.2014

27. Tag: Offen für Verantwortung

Mose aber sagte zum HERRN: „Herr, ich bin kein Mann von Worten. Ich war es früher nicht und bin es auch nicht, seit du zu deinem Diener redest; schwerfällig sind mein Mund und meine Zunge.“ Da sprach der HERR zu ihm: „Wer hat dem Menschen einen Mund gemacht, wer macht stumm oder taub oder sehend oder blind? Bin nicht ich es, der HERR?“
2.Mose 4,10-11

Was, ich?

Viele von uns kennen gewiss noch den „Gabentest“. Damit versuchten Christen, ihre Berufung und ihren Dienst anhand ihrer Gaben zu finden. Es ist ja auch nicht falsch, Gott und Menschen mit dem zu dienen, was man von ihm bekommen hat. Doch unsere Berufung erschöpft sich nicht darin.

Wir lesen in der Bibel immer wieder, wie Gott Menschen in eine Aufgabe hineinruft, die sie völlig überfordert. Mose war zwar gegen die Versklavung seines Volkes, hielt sich aber nicht für fähig, es aus der Sklaverei herauszuführen. Auch die Jünger Jesu sollten ständig Sachen machen, die zu hoch für sie waren. „Gebt ihr ihnen zu essen!“, sagte Jesus, als gerade ca. 10.000 Personen vor ihnen saßen und lediglich 5 Brote und zwei Fische vorhanden waren, die noch nicht einmal ihnen gehörten. „Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus.“ Ja, sind wir denn Jesus? „Wem immer ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr sie festhaltet, dem sind sie festgehalten.“ Du liebe Güte, sollen wir jetzt auch noch über Gedeih und Verderb anderer Menschen mitentscheiden? Ja, ja, ja - das sollen wir, und es überfordert uns total. Wir haben weder die Vollmacht noch die Weisheit, weder die Liebe noch die Fähigkeit, über andere christusgemäß zu richten. Und doch beruft uns Gott dazu!

Etliche sagen einfach wie Mose: „Gott, das kann ich nicht.“ Damit ist das Thema dann für sie abgehakt - doch nicht für Gott. Gott überfordert uns nämlich bewusst und gewollt, damit wir unsere ganze Hoffnung auf seine Kraft und Gaben setzen. Auf diese Weise ehren wir Gott, weil wir Dinge tun, die nur er durch uns tun kann. Deshalb handeln wir auch nicht in unserem eigenen Namen, sondern im Namen Jesu. Nehmen wir diese Herausforderung an? Sie macht uns völlig abhängig von Gottes Gnade. Ist das nicht genau das, was wir uns immer gewünscht haben?

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Donnerstag, den 12.06.2014

26. Tag: Offen für Verantwortung

Folgt meinem Beispiel, so wie ich dem Beispiel folge, das Christus uns gegeben hat.
1.Kor. 11,1

Mit gutem Beispiel voran

„Sage mir, mit wem du umgehst, dann sage ich dir, wer du bist“, pflegte meine Mutter oft zu sagen, als ich im Teenageralter war. „Mama, du hast keine Ahnung!“ entgegnete ich ihr dann lachend. „Ich bin die, die ich bin, und werde ganz bestimmt nicht so wie meine Freunde!“

Im Rückblick kann ich sagen, dass dieses Sprichwort recht hat. Die Menschen, mit denen wir oft zusammen sind, prägen uns. Genau so prägen wir auch andere, die mit uns Zeit verbringen.

Wenn wir Gutes tun, etwas im Leben erreichen, anderen gut gelaunt und gerne helfen, glaubensvoll leben und voller Gottvertrauen sind, so wollen wir gerne als Vorbild für andere dastehen. Doch wenn wir ungerecht sind, andere vorschnell verurteilen und uns leicht ein verletzendes Wort über die Lippen kommt, wollen wir lieber nicht als Beispiel genommen werden. Eines steht jedoch fest: Bei allem, was wir tun und lassen, sagen und nicht sagen, geben und zurückhalten: Wir sind immer Vorbild für irgendjemanden.

„Vorbildfunktion“ - ein geflügeltes Wort,
haben meist nur die andern, jene dort.
Man meint, zum Vorbildsein muss sich entscheiden,
wer Vorbild sein will, sonst kann man es meiden.
Doch eines ist klar, deine Lebenssicht
ist uns Vorbild, ob du willst oder nicht.

Am besten sehen wir dies an unseren Kindern. „Erziehung ist Beispiel und Liebe - sonst nichts“, sagte Friedrich Fröbel und ein Blick in unsere Familien gibt ihm recht. Wenn unser Leben eine andere Sprache spricht, als das, was wir sagen, sind unsere Worte sinnlos. Unsere Kinder machen einfach nach, was sie uns tun sehen.

Der Schlüssel zu einem Leben, das ein gutes Vorbild für andere ist, liegt in dem oben genannten Bibelvers: „… so, wie ich dem Beispiel folge, das Christus uns gegeben hat.“ Lasst uns vermehrt darauf achten, wie Jesus auf Situationen reagiert hat, was er getan hat und was ihm wichtig war. Lasst uns ihn nach seinen Plänen für uns fragen und Zeit mit ihm verbringen. Dann wird sein Wesen uns prägen und unser Leben wird für andere zum guten Vorbild.

Esther Dymel-Sohl

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Mittwoch, den 11.06.2014

25. Tag: Offen für Verantwortung

Da sagte Jesus zu ihm: Willst du vollkommen sein, so geh, verkaufe deinen Besitz und gib ihn den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir! Als der junge Mann das hörte, ging er traurig fort, denn er hatte viele Güter.
Matt. 19,21-22

Beim Geld hört die Freundschaft auf!?

Mit Geld sollen wir verantwortlich umgehen. Dies gilt allgemein als Lebensweisheit. Die Frage ist nur: wem gegenüber verantwortlich? In Bezug auf finanzielle Verantwortung halten wir es für richtig, unser Geld nicht für unsinnige Dinge auszugeben, nicht mehr auszugeben, als wir einnehmen, und möglichst noch ein wenig zu sparen.

In diesem Sinne ist Jesus ausgesprochen verantwortungslos. So lobte er eine Witwe, die all ihre Habe in den Opferstock warf. Weiterhin forderte er einen reichen Jüngling auf, sein ganzes Vermögen den Armen zu geben. Um Steuern zu bezahlen, sagte er Petrus, er solle einen Fisch fangen - und siehe da: Im Fisch war genug Geld für die Steuer.

Betrachten wir die obige Begebenheit mit dem reichen Jüngling, so stellen wir fest, dass Jesus die Beziehung zu ihm und zu Gott höher bewertet als den Besitz von Geld und Gütern. Wir kennen das Sprichwort: „Beim Geld hört die Freundschaft auf!“ Bei Jesus ist es genau umgekehrt: „Viel oder auch wenig Geld soll unsere Beziehung nicht vergiften.“ Leiht sich jemand etwas und kann es nicht zurückgeben, so sollen wir es ihm schenken (Luk. 6,34-35).

Wenn wir Jesu Worte ernst nehmen, kann Geld unsere Freundschaft nicht zerstören. Wenn wir sie allerdings geflissentlich überlesen, dann kann auch manch eine christliche Freundschaft wegen Geld in die Brüche gehen.

Es liegt in unserer Verantwortung, Geld nicht über eine Beziehung zu stellen, weder die zu Gott noch zu Menschen. Paulus ging in diesem Punkt sehr weit, als er hörte, dass Christen gegeneinander vor Gericht zogen: „Dass ihr überhaupt gegeneinander vor Gericht zieht, ist schon eine Niederlage für euch alle. Warum seid ihr nicht bereit, euch Unrecht zufügen zu lassen? … Stattdessen tut ihr selbst Unrecht und verschafft euch Vorteile auf Kosten von anderen - und diese anderen sind eure Geschwister! (1.Kor. 6,7-8) In diesem Sinne fordert uns das Wort Gottes heraus - lasst uns dies im Vertrauen zu Gott annehmen!

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Dienstag, den 10.06.2014

24. Tag: Offen für Verantwortung

Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt.
Römer 13,8

Sind wir der Welt etwas schuldig?

Bei dieser Frage mag der eine vielleicht denken: „Wieso sollte ich irgendjemand irgendetwas schuldig sein?“ Der andere wiederum mag sagen: „Als Christen sind wir es der Welt ganz klar schuldig, das Evangelium zu erzählen!“ Auf der einen Seite also Fragezeichen, auf der anderen vermeintliche Sicherheit. Wo befinde ich mich persönlich?

Der Blick in die Bibel ist auch hier heilsam und erhellend. So schulden wir es meiner Erkenntnis nach nicht der Welt, sondern Gott, das Evangelium zu erzählen. Er hat uns dazu den Auftrag gegeben. Er ist unser Herr. Ihm sollen wir gehorchen. Um in unserer heutigen Begrifflichkeit zu bleiben: Wir sind ihm Gehorsam schuldig.

Ebenso beauftragt er uns durch sein Wort, einander zu lieben. Jesus sagt, dass wir den Nächsten so lieben sollen, wie wir Gott lieben. Laut Jakobus ist derjenige, der von sich sagt, dass er Gott liebt und darin versagt, seinen Bruder zu lieben, ein Lügner. Starke Worte, die nachdenklich machen!

Gilt das nun nur innerhalb der Gemeinde oder auch außerhalb? Jesus macht im Gleichnis vom barmherzigen Samariter deutlich, wen er mit dem Nächsten meint: denjenigen, mit dem ich jetzt zu tun habe.

Vielleicht kennen wir dieses Gebet: „Herr, hilf mir, die Menschen mit deinen Augen zu sehen.“ Dadurch drücken wir aus, dass unsere Sicht nicht genügt. Wir bitten Gott um Hilfe, die Menschen durch seine Sicht annehmen zu können. Es gibt jedoch ein Gebet, das noch einen Schritt weiter geht: „Herr, hilf mir, dich in meinem Gegenüber zu sehen.“ Es lehnt sich an ein Wort Jesu, in dem es heißt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40).

Vor ein paar Jahren gab es Armbänder, auf denen stand: WwJd? Was würde Jesus tun? Das sollte dabei helfen, die Dinge aus Jesu Augen zu sehen. Wie wäre es mit einer weiterführenden Frage: Wie würde ich handeln, wenn Jesus mein Gegenüber wäre?

So sind wir dieser Welt nichts schuldig, außer sie zu lieben, und zwar so, wie wir Gott lieben. Damit das gelingen kann, brauchen wir seine Hilfe. Und die hält er für uns bereit.

Angela Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Montag, den 09.06.2014

23. Tag: Offen für Verantwortung

Wer von diesen dreien, meinst du, ist dem, der unter die Räuber fiel, der Nächste geworden? Der sagte: Derjenige, der ihm Barmherzigkeit erwiesen hat. Da sagte Jesus zu ihm: Geh auch du und handle ebenso.
Lukas 10,36-37

Du bist mir nicht egal

Als ich ein junger Mensch war, mitten in meiner Pubertät, habe ich in einem Streit einmal Folgendes zu meiner Mutter gesagt: „Ihr habt mich doch gewollt. Ich wurde nie gefragt - also müsst ihr jetzt auch für mich sorgen und mit mir fertig werden!“ Ich denke, meiner Mutter stockte der Atem, als sie diese Worte hörte. Mit solch einem Argument bringt man ja zum Ausdruck, dass man sich sämtlicher Verantwortung entzieht.

Tatsächlich haben wir die wichtigsten Dinge unseres Lebens nicht mitentschieden: Wir haben weder unsere Eltern ausgewählt, noch unseren Körper mit allen Stärken und Schwächen, noch unsere Geschwister, Klassenkameraden und Arbeitskollegen. Wir wurden nicht gefragt, ob wir überhaupt leben wollten, ob wir krank oder gesund, behindert oder im Vollbesitz aller menschlichen Möglichkeiten sein wollten. Wir sind einfach so, wie wir sind.

Nicht wir haben all diese Dinge gewählt - nein, jemand anders hat sie für uns gewählt: Gott. Die Frage an uns ist allerdings: Nehmen wir diese Wahl an? Spielen wir den Ball weiter, der uns zugespielt wurde, oder sagen wir: „Ich habe nicht um einen Ball gebeten - was geht er mich an?“

Nun, das, was Gott uns zuspielt, ist nicht nur unser Leben, sondern sind auch andere Menschen. Jesus hat uns erwählt, damit wir Verantwortung für andere übernehmen. Nicht für alle, sondern für diejenigen, die Gott uns in den Weg stellt. Er selbst geht uns darin als ein leuchtendes Beispiel voran. Wie viele Menschen haben die Wege Jesu durchkreuzt und er hat sich ihnen nicht verschlossen. Wir sind ihm nicht egal. Nun rollt der Ball zu uns. „Geh auch du und handle ebenso!“, sagte Jesus zu dem Pharisäer, der nach der Bedeutung der Nächstenliebe fragte. Zuvor hatte er das Gleichnis vom barmherzigen Samariter erzählt. „Geh auch du und handle ebenso!“ Das sagt Jesus auch zu uns. Die Frage ist: Was werden wir tun?

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Sonntag, den 08.06.2014

22. Tag: Offen für Verantwortung

Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
Galater 6,2

Meine Verantwortung - deine Verantwortung?

Vor mir sitzt ein junges Mädchen aus schwierigen Familienverhältnissen. Die Eltern sind seit Jahren suchtabhängig. Das Mädchen wird als Älteste von klein auf an in die Mutterrolle gedrängt. Inzwischen ist sie 15 Jahre alt, seit zwei Jahren ritzt sie sich, es wird zunehmend extremer. Obwohl sie dringend Hilfe braucht, möchte sie ihre Geschwister - und auch ihre Eltern - nicht im Stich lassen. Sie will die Verantwortung für alle übernehmen. Muss sie das tun? Und - kann sie das überhaupt?

Tatsächlich hat jeder Mensch einen Bereich, für den er verantwortlich ist. Inwieweit er das erfüllen kann, hängt von verschiedenen Umständen ab. Da unser Leben von Veränderungen gekennzeichnet ist, verändern sich auch unsere Verantwortlichkeiten. „Eltern haften für ihre Kinder“ gilt nicht ein Leben lang. Welche Verantwortung haben wir nun als Christen?

Jeder Christ ist zunächst einmal für sich selbst vor Gott verantwortlich. Das schließt sowohl die geistliche als auch die praktische Lebensführung mit ein. Jeder soll gemäß seiner eigenen Erkenntnis handeln. Jeder wird sich vor Gott persönlich für das, was er tut oder sagt, verantworten müssen. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, ob er in Christus wächst oder nicht, ob er in der Bibel liest oder nicht, ob er das, was er verstanden hat, umsetzt oder nicht. Um das Beispiel des jungen Mädchens zu nehmen: Sie ist zuerst dafür verantwortlich, ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen.

Was ist nun mit unserer Verantwortung für andere? Auch da sind wir zuerst vor Gott verantwortlich. Wen hat er uns anvertraut? Freunde, Familie, Gemeinde, Nachbarn, Kollegen, Fremde? Hilfe, das sind ja viel zu viele! Jesus hat das einmal sehr gut heruntergebrochen: „Dein Nächster“. Das ist dann meistens doch nur einer … Und wenn es uns überfordert? Da wir uns vor Gott verantworten, können wir mit ihm darüber reden. So kann unser Gebet lauten: „Herr, ich möchte meinem Nächsten das tun, was du getan haben möchtest. Leite mich darin.“ Und dann? Folgen wir seiner Leitung. Auf diese Weise werden wir Lasten mittragen können, aber auch erleben, wie unsere Lasten mitgetragen werden.

Angela Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Samstag, den 07.06.2014

21. Tag: Offen für alle

Ich habe auch noch Schafe, die nicht aus diesem Stall sind.
Auch sie muss ich herführen; sie werden auf meine Stimme hören,
und alle werden eine Herde unter einem Hirten sein.
Joh. 10,16

Gemeinsamkeiten

Es gibt in der heutigen Christenheit viele Einheitsbestrebungen: die Ökumene, die Evangelische Allianz, charismatische Netzwerke und vieles mehr. Doch es gibt auch viele Anfragen: „Ist es richtig sich, mit Kirchen oder Gemeinden zu verbinden, die in ihrer Praxis oder Lehre dem Wort Gottes widersprechen - zumindest so, wie wir es verstehen?“ Diese kirchenpolitische Diskussion wird am Ende nie zu einem Ergebnis kommen. Es gibt so viele Schattierungen an geistlichen Erkenntnissen und Bekenntnissen - wer durchschaut das alles, was nun richtig und was falsch ist? Zusätzlich sind die Christen in den einzelnen Konfessionen auch unter sich noch höchst unterschiedlich. Mit wem soll ich mich jetzt zusammentun und mit wem nicht?

Jesus beantwortet diese Frage auf eine ganz andere Art. Nicht unsere theologischen Erkenntnisse verbinden oder entzweien uns, sondern nur die Frage, ob wir Jesu Stimme hören und ihr folgen. In der Nachfolge entscheidet sich, wer zu Jesus gehört, nicht in der gegenseitigen Beurteilung. In Ländern, in denen Christen verfolgt werden, treffen sich viele Nachfolger Jesu in den Gefängnissen wieder - auch dann, wenn sie vorher nicht viel miteinander zu tun hatten.

Ein Bild hat mir geholfen, wie Jesus seine Kirche zusammenführt. Nehmen wir an, Jesus steht in der Mitte und um ihn herum befinden sich viele Christen aus unterschiedlichen Gemeinden und Bewegungen. Jeder Christ, der sich auf Jesus zubewegt, kommt anderen Christen, die sich ebenfalls auf Jesus zubewegen, immer näher. Jeder Christ, der sich aber nicht auf Jesus zubewegt, steht irgendwann außerhalb der Gemeinde Jesu. Er trug nur den Namen, doch nicht den Geist.

So brauchen wir keine Berührungsängste haben, können voneinander lernen, müssen aber nicht das übernehmen, was wir als falsch erkannt haben. Vielmehr geben wir das weiter, worin uns der HERR Erkenntnis gegeben hat und segnen so den, der auch Jesus näherkommen will. Auch das bedeutet: „Offene Gemeinde“.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Freitag, den 06.06.2014

20. Tag: Offen für alle

„Wozu in aller Welt bist du überhaupt hergekommen …?
Ich weiß ganz genau, wie eingebildet du bist und was du für schlimme Dinge im Sinne hast …“
1. Samuel 17,28

„Du hast uns gerade noch gefehlt!“

Diesen Satz kennen wir wahrscheinlich nur mit einem negativen Unterton. Man meint damit eher das Gegenteil: Alles, bloß das nicht! Nichtsdestotrotz ist manchmal gerade das, was wir vermeiden wollen, genau das Richtige. In unserem Fall der oder die Richtige.

So war es auch bei David, als er seine Brüder auf dem Schlachtfeld besuchte. Ihr Vater hatte ihn losgeschickt, um ihnen etwas zu essen zu bringen. Gerade angekommen, erlebte er mit, wie Goliath die Israeliten verspottete. Als David dann anfing, Fragen zu stellen, wurde sein ältester Bruder sehr böse und unterstellte ihm, er wäre ein Gaffer. David ließ sich jedoch nicht beirren und besiegte schließlich Goliath. Er war tatsächlich der Mann der Stunde, der noch gefehlt hatte!

„Ja“, mögen wir nun sagen, „David, das ist klar! Der hatte ja in Wirklichkeit gar keine bösen Absichten. Außerdem war er ja auch von Gott auserwählt.“ Und da haben wir auch schon das Problem: Wir wissen nämlich gar nicht, wen Gott (noch) auserwählt hat. Tatsächlich wissen wir nur eines sicher: Die Gemeinde Christi ist noch nicht vollständig. Das gilt dann auch für unsere Gemeinde. Auch sie ist noch nicht vollständig. Wir sind noch nicht vollständig. Was können wir nun tun?

Ich denke, wir sollten darauf vertrauen, dass Gott weiß, wer noch fehlt. Er weiß, wo sie sich befinden und wann und wie sie kommen sollen. Die Frage ist: Sind wir dann bereit? Nehmen wir die in unserer Mitte auf, die Gott uns schickt, oder weisen wir sie ab, weil wir meinen, etwas über sie zu wissen?

Ein großartiges Vorbild finden wir in Apostelgeschichte 9. Gott befiehlt Hananias, zu Saulus zu gehen. Hananias, der Saulus als Christenverfolger kennt, der wirklich böse Absichten hatte, verschweigt Gott seine Bedenken nicht. Dennoch gehorcht er Gottes Aufforderung. Wir wissen, was passiert: Aus Saulus wird Paulus, der Apostel, der das Evangelium zu den Heiden - zu uns - gebracht hat. Ja, Saulus/Paulus hatte noch gefehlt!

Vielleicht ist gerade die Person, bei der wir es für unmöglich halten, diejenige, die uns noch fehlt.

Angela Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Donnerstag, den 05.06.2014

19. Tag: Offen für alle

Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes
2.Kor. 6,16b

Die „liebe Gemeinde“

Wie spielt sich eigentlich Offenheit zu allen Menschen in der Gemeinde ab? Nach einer gewissen Zeit kennt man sich dort. Es entstehen Interessens- und Sympathiegemeinschaften. Aber es entstehen auch Abneigungen, Verletzungen oder schlichtweg fehlendes Interesse an bestimmten Personen.

Etwas komplizierter ist es mit der Erwartungshaltung, die fast jeder in der Gemeinde spürt oder zu spüren meint. „Was wird wohl Bruder/Schwester Soundso dazu sagen, dass ich letzten Sonntag nicht im Gottesdienst war?“ Oder „Die Gemeindearbeit überfordert mich. Ständig wird von mir erwartet, dass ich mithelfe.“ Besonders schwierig ist es, wenn es jemand nicht gut geht: „Ich mag in diesem Zustand nicht in den Gottesdienst kommen, sonst kriege ich ständig ungefragt ‚gute Ratschläge‘ oder unangenehme Fragen zu hören.“

Ich könnte noch viel mehr Probleme und Schwierigkeiten aufzählen, die sich im Gemeindeleben so ereignen können. Gemeinde besteht eben aus vielen verschiedenen Menschen - Persönlichkeiten mit Erwartungen, Erfahrungen, Träumen und Sehnsüchten. Doch der tiefe Sinn der Gemeinde liegt ganz woanders. Die Gemeinde ist der Tempel des lebendigen Gottes, der Leib Christi. Das bedeutet: Dort, wo Gemeinde ist, da ist Christus - gewaltig!

Die Frage an uns ist nun: Sehe ich die Gemeinde unter menschlichen Gesichtspunkten, dann erkenne ich natürlich auch ihre ganzen Fehler und Macken - inklusive meiner eigenen. Sehe ich die Gemeinde allerdings unter göttlichen Gesichtspunkten, so kann ich nur vor Respekt und Dankbarkeit Gott erheben. Die einzelnen Gemeindemitglieder sind zwar immer noch normale fehlerhafte Menschen, doch sie tragen gleichzeitig den Geist Jesu in sich, der sie verändert und durch sie wirkt.

So kann es also passieren, dass Gott gerade durch jemanden, der mir nicht sympathisch ist, zu mir reden will. Vielleicht will Gott mich durch jemanden heilen, auf den ich gewöhnlich herabgeschaut habe. Dadurch verändert sich das Bild der Gemeinde, wenn ich es aus Gottes Augen sehe. Nun ist sie nicht mehr die „liebe Gemeinde“, mit der ich irgendwie auskommen muss, sondern die heilige Gemeinde, in der ich ein Teil sein darf!

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Mittwoch, den 04.06.2014

18. Tag: Offen für alle

Ich preise dich, dass ich so herrlich, so wunderbar geschaffen bin.
Ps. 139,14

Begegnungen mit Menschen, die anders sind

Manchmal überkommt sie mich, diese Lust, alles stehen und liegen zu lassen und zu basteln. Nach meiner letzten Kartenbastelattacke machte ich eine überraschende Entdeckung. Ein wenig stolz auf meine Papierkunst hatte ich die Karten vor mir aufgereiht und ließ meine Finger über die Applikationen streichen. Oh nein, eine Karte war falsch! Sie öffnete nach links und nicht nach rechts. Wie schade … Ich würde sie wohl aussortieren müssen. Ein letztes Mal freute ich mich etwas wehmütig am „Baummotiv unterm Sternenhimmel“, hielt den Kartenfalz zwischen meinen rechten Fingern und öffnete sie kopfschüttelnd über meine Unachtsamkeit mit der linken Hand. Plötzlich wurde mir klar: Diese Karte ist nicht falsch, sie ist anders! Sie ist ungewöhnlich, lässt den Empfänger aufmerken, ihn vielleicht verwundern.

Und in der Natur? Wenn wir in einem Blütenmeer gelber Tulpen eine rote entdecken, wird unser Herz warm. Ein schwarzes Schaf inmitten einer weißen Herde lässt uns verblüfft genauer hinschauen. Doch wenn Menschen anders sind, sind wir irritiert. Da wird schon mal schnell jemand ausgegrenzt, weil er anders ist, anders schreibt, anders aussieht, anders redet oder anders denkt. Und warum? Weil man Angst hat, verunsichert ist, nicht weiß, wie man mit der Andersartigkeit des anderen umgehen soll. Dabei vergessen wir: Jeder von uns ist anders - auch man selbst.

An alle Querdenker, Andersausseher, Andersbegabte, Tollpatsche und Kartenfalschbastler: Ihr seid in eurem Anderssein genau richtig! Nicht die Mehrheit unserer Gesellschaft bestimmt, was richtig und was falsch ist, sondern Gott. Er hat uns in all unserer Andersartigkeit geschaffen und jeden von uns einzigartig gemacht. Darum lasst uns unser Anderssein und das der anderen umarmen und willkommen heißen!

Jesus Christus war auch anders. Am Sabbat heilte er, mit Betrügern aß er, Schein-Heilige wies er zurecht, Besessene befreite er, Zerbrochene tröstete er und Schuldige verurteilte er nicht. Er liebte die Menschen, überraschte sie und ließ sie aufmerken.

Meine „Anderskarte“ werde ich übrigens verschicken: an einen mir sehr lieb gewordenen Freund. Ich weiß er wird sich freuen. Er ist auch anders.

Esther Dymel-Sohl

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Dienstag, den 03.06.2014

17. Tag: Offen für alle

Auch allen anderen Menschen sollt ihr mit Güte begegnen.
Aber nehmt euch in Acht, dass ihr euch nicht von ihrer Zügellosigkeit anstecken lasst.
Jud. 1,23

Offen für alles?

Jemand sagte einmal zu mir: „Wenn du meine Meinung ablehnst, dann lehnst du mich ab!“ Solch ein Satz ist ein sogenanntes „Totschlagargument“. Jede Korrektur wird sofort persönlich genommen, führt also nicht zu einer sachlichen oder geistlichen Auseinandersetzung, sondern gleich zu einem Beziehungsproblem.

Nun lassen wir Christen häufig einen wunderschönen Satz verlauten: „Wir hassen die Sünde, aber wir lieben den Sünder!“ Diese Aussage funktioniert in der Praxis aber nur dann, wenn wir gelernt haben, eine Person von ihrem Handeln zu trennen. Das ist nicht immer einfach, denn tief in uns sitzt die Botschaft: „Du bist, was du tust!“ Diese Botschaft beeinflusst unsere Beziehungen zueinander: „Wenn du mich lieben würdest, dann würdest du jetzt dieses oder jenes tun …“ Weiterhin unsere Beziehung zu Gott: „Je mehr ich für Gott tue, desto mehr segnet er mich …“ Oder auch umgekehrt: „Gott tut nichts und hilft mir nicht, er hat mich wohl vergessen oder sogar verworfen.“

Das Einzigartige am Evangelium Jesu Christi ist, dass Jesus den Menschen ungeachtet dessen, was er tut oder getan hat, annimmt. Die einzige Grundlage einer Beziehung ist Vertrauen. Das bedeutet aber auch, dass ich jemanden lieben kann, ohne alles gut finden zu müssen, was diese Person tut. Wenn ich also offen für alle bin, muss ich deshalb nicht zwangsläufig auch offen für alles sein.

Nun hat jeder Mensch einen Freundeskreis um sich herum. Wenn diese Freunde Dinge tun oder anstreben, die ich vor Gott nicht richtig finde, kann ich dann noch Freund sein? Ja, das kann ich. Allerdings brauche ich Standfestigkeit, um nicht alles mitzumachen, und dabei entschlossen, aber dennoch fröhlich und nicht anklagend zu sein. Das bezieht sich z.B. auf zu viel Alkohol, Kiffen, schlüpfrige Witze, Sexfilme, über andere Leute herziehen, teure Kleidung und etliches mehr. Manch einer lässt sich in solche Praktiken hineinziehen, um seine Freunde nicht zu verlieren. Doch gerade die Liebe zu den Menschen und die Standhaftigkeit, Jesus gemäß zu handeln, macht uns zu echten Freunden.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Montag, den 02.06.2014

16. Tag: Offen für alle


Gebraucht eure Freiheit nicht als Vorwand, um die Wünsche eurer selbstsüchtigen Natur zu befriedigen,
sondern dient einander in Liebe.
Gal. 5,13

„Ich (ge)brauche dich!“

„Ohne dich kann ich nicht leben!“ „Ich brauche dich so sehr!“ Worte, die vordergründig wertschätzend wirken. Wenn sie aber in einer Beziehung, einer Ehe oder Freundschaft ausgesprochen werden, haben sie beim genaueren Hinsehen nichts Positives. Sie sind nämlich nicht unbedingt ein Ausdruck von Liebe, sondern eher ein Indikator, dass die Beziehung möglicherweise von Manipulation und Abhängigkeit befallen ist.

Natürlich darf der Satz „Ich brauche dich!“ in einer Beziehung fallen. Es ist nicht falsch, um Hilfe und Unterstützung oder Ermutigung zu bitten. Jesus sagt, dass wir als Christengemeinde „ein Leib“ sind. Nahezu teuflisch aber wird es dann, wenn unausgesprochen dahinter die Not steht: „Ich empfinde mich als halb und will/muss mich mit dir ganz machen! Sonst kann ich kaum leben.“ - Hier versteckt sich Manipulation!

Deswegen ist es so wohltuend, zu wissen, dass Gott Liebe ist! Wenn ich mit Überzeugung und in Freiheit sagen kann: „Ich liebe dich!“, werden Beziehungen gelingen. Ich werde offen für ALLE Menschen. Versteckt sich dahinter aber „Ich (ge)brauche dich!“, wird es schwierig. Ich fahre ja auch nicht zum Reifenwechsel in die Autowerkstatt und sage zum KFZ-Mechaniker: „Guten Tag! Ich liebe Sie!“, sondern „Könnten Sie mir bitte die Reifen an meinem Fahrzeug wechseln?“

Die beste Vorsorge, nicht dauernd gebraucht - im Sinne von ausgenutzt - zu werden, und andere nicht dauernd zu gebrauchen, ist Gottes wunderbare Liebe!

Durchdrungen von dieser Liebe kann ich mit folgender Einstellung meinen Mitmenschen gegenübertreten: „Ich sehe, dass du etwas brauchst, räume mir das Vorrecht ein, es dir zu geben!“

Wenn dieser Satz zu meiner Leidenschaft wird, dann werde ich wirklich offen für ALLE!

Für den Bruder, der meine Hilfe braucht, genauso wie für meinen Nachbarn, der Jesus braucht und noch nicht kennt.

In Jesus Christus ist beides ineinander verschmolzen. Als Mensch gewordener Gott war all sein Handeln von Liebe geprägt und dennoch ließ er sich auch gebrauchen. Gebrauchen dazu, dass die Trennung zwischen Gott und Mensch ein Ende haben kann: Offen für ALLE!

Bernd Hock

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Sonntag, den 01.06.2014

15. Tag: Offen für alle

Judas ging auf Jesus zu und sagte: „Sei gegrüßt, Meister!“ Dann küsste er ihn. Jesus sah ihn an:
„Mein Freund! Warum bist du gekommen?“
Matt. 26,49-50

Freund oder Feind?

„Offen für alle“ - weshalb ist dieses Thema für jeden von uns wichtig? Sind wir Menschen nicht verschieden? Der eine ist halt aufgeschlossen, neue Menschen kennenzulernen, der andere liebt mehr den vertrauten Kreis. Nun, das darf und soll auch so bleiben. Und doch hat das Evangelium eine Menge zu sagen, wie wir einem fremden Menschen begegnen sollen. Eines der bekanntesten Gleichnisse Jesu handelt vom barmherzigen Samariter. Dieser junge Mann begegnete einem schwer verletzten Juden und nahm sich seiner an. Damit begab er sich selbst in Gefahr. Vielleicht waren die Räuber ja noch da oder der Verletzte war gar nicht verletzt, sondern ein Teil einer Bande. Der Samariter sah aber in ihm einen potenziellen Freund.

Das Erste, was wir bei einem Fremden kennenlernen, ist nämlich nicht das, was von dem Menschen ausgeht, sondern, welches Gefühl wir in dieser ersten Begegnung haben. War es wohlig oder bedrohlich? Nun wäre es ja gut, jedem Menschen erst einmal mit freundlicher Offenheit zu begegnen. Doch wie kommen wir dahin?

Ich glaube, wir müssen einige grundlegende Wahrheiten aus Gottes Wort verinnerlichen. Die erste Wahrheit ist: Alles, was in meinem Leben geschieht, ist von Gott geplant oder zugelassen. Kein Mensch begegnet mir, wenn Gott es nicht so wollte. Niemand kann mir schaden, wenn Gott es nicht zulässt. Wenn er es aber zulässt, dann verfolgt Gott trotzdem ein gutes Ziel mit mir, denn es müssen alle Dinge denen zum Besten mitwirken, die Gott lieben. Mal kann es sein, dass ich lerne, auf Hass mit Liebe zu reagieren. Ein anderes Mal soll ich lernen, standhaft zu bleiben.

Einer der wichtigsten Gründe, weshalb Gott mir Menschen in den Weg schickt, ist, dass sie etwas benötigen, was ich habe: Christus! Wir sind nämlich nicht erst dann Zeugen Jesu, wenn wir auf einen organisierten Straßeneinsatz gehen - wir sind es immer. Selbst ein Judas, der Jesus ja verriet, brauchte etwas von Jesus. Judas war das entfallen, doch Jesus nicht - er nannte ihn, seinen übelsten Feind, Freund. Auch wenn wir noch nicht soweit wie Jesus sind, lasst uns danach trachten, so zu werden.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Samstag, den 31.05.2014

14. Tag: Offene Herzen

So halte ich es und nehme auf alle Rücksicht.
Ich bin nicht auf mein eigenes Wohl bedacht, sondern denke an die andern, damit sie gerettet werden.
1. Kor. 10,33

Dem Griechen ein Grieche …

Das ist wieder mal so ein Satz: Dem Griechen ein Grieche, dem Juden ein Jude. Schnell gesagt, aber nicht so schnell getan. Die Gründe dafür sind verschieden. So fragt sich manch einer, was das eigentlich bedeutet. Heißt das, dass ich mich, je nachdem, mit wem ich es zu tun habe, verwandle wie ein Chamäleon? Wo bleibt denn da meine eigene Identität?

Ich denke, das Chamäleon ist tatsächlich ein sehr gutes Beispiel. Gott hat es so gemacht, dass es sich seiner Umgebung erstaunlich anpassen kann. Wenn es nun nicht mehr zu sehen ist, ist es dann nicht mehr da? Oder, noch schlimmer, ist es kein Chamäleon mehr? Nein, es kann das nur, weil es eines ist! Der Betrachter kann es zwar nicht immer sofort erkennen, aber das Chamäleon löst sich keineswegs in seiner Umgebung auf. Gerade, wenn es diese wechselt, wird das besonders deutlich.

Als Christen sind wir nun herausgefordert, uns mit unserer Umgebung zu verbinden und in sie „einzutauchen“. So, wie wir uns darum bemühen, eine andere Sprache zu lernen, sollen wir uns auch mit anderen Kulturen, Altersgruppen, sozialen Schichten, eben mit dem, was uns fremd ist, befassen. Dabei brauchen wir keine Berührungsängste zu haben. Auch wenn wir die „Farbe“ unserer Umgebung annehmen, bleiben wir in Christus, wer wir sind: seine Kinder. Vielleicht müssen wir manchmal etwas von unseren Vorlieben Abstand nehmen, aber das ist nur gut für uns. Wenn uns unsere Neigungen nämlich davon abhalten, etwas für Gott zu tun, stehen sie zwischen Gott und uns. Wir befinden uns dann in einem Zustand, in dem wir nicht wirklich frei sind. Genau das aber ist das Ziel Jesu: uns frei zu machen. Alles, was dazu dient - auch die Erkenntnis, noch nicht frei zu sein - hilft uns, in dieses Ziel hineinzuwachsen.

Im Ausgangsvers sagt Paulus, dass er auf alle Rücksicht nehmen will. „Ja, Paulus, hast du denn keine Angst, ausgenutzt zu werden?“, so lautet vielleicht unser Einwand. Paulus hatte vor allem ein Ziel: Er tauchte in seine Umgebung ein, damit diese den kennenlernt, der in ihm ist - Jesus. Tauchen auch wir ein - damit andere „auftauchen“ können.

Angela Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Freitag, den 30.05.2014

13. Tag: Offene Herzen

Jesus sagte: „Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.“
Mark.3:35

Wir gehören zusammen!

Das, was Jesus dort sagte, hat viele Leute erstaunt, wenn nicht sogar brüskiert. Da kam Maria mit ihren anderen Söhnen, um Jesus zu besuchen. Maria hatte gewiss eine längere Reise und viele Strapazen hinter sich gebracht, nur um ihren Sohn zu sehen, doch der war umringt von Leuten, die ihm gerade zuhörten. Als nun Maria und die Brüder Jesu auftauchten, war für die Zuhörer klar: Jetzt wird Jesus eine Pause einlegen und erst einmal seine Familie begrüßen. Doch Jesus tat es nicht. Stattdessen schaute er sich um, zeigte auf seine Jünger und sagte sinngemäß: „Diese hier sind meine Familie!“

Dieses Verhalten Jesu bedeutete nicht, dass er seiner natürlichen Familie den Rücken gekehrt hatte. Noch am Kreuz hängend, regelte Jesus zum Beispiel die Versorgung seiner Mutter. Nein, seine Familie war ihm nicht egal. Und doch gab es eine andere Familie, die ihm wichtiger war. Ihr Erkennungsmerkmal und Gemeinsamkeit war, dass sie den Willen Gottes taten. Sie waren Jesu Familie und gehörten deshalb auch untereinander zusammen.

Gott fügt uns also mit Menschen zusammen, die uns sympathisch, aber auch unsympathisch sein können. Die Zusammengehörigkeit gründet sich weder auf Sympathie noch auf Abstammung oder auf gleiche Interessen, sondern darauf, den Willen Gottes tun zu wollen. Was sind das nun für Leute, die den Willen Gottes tun? Schauen wir uns einmal die Jünger an, auf die Jesus zeigte. Diese hatten sehr verschiedene Vorstellungen, was überhaupt der Wille Gottes sei. Außerdem hatten sie kleine Machtkämpfe untereinander oder wollten sich bei Jesus eine besondere Position erschleichen. Einer, auf den Jesus zeigte, war ein Verräter. Ein anderer handelte immer erst, bevor er nachdachte. Und wiederum ein anderer neigte dazu, Dinge erst einmal zu bezweifeln. Also homogen war diese Familie gewiss nicht - und doch gehörten sie zusammen.

Hinzu kommen noch Familienmitglieder, die erst einmal nicht den Willen Gottes tun wollen, es sich aber später überlegen. Auch sie gehören zu uns und wir zu ihnen. Was bedeutet das nun für uns? Ganz einfach, dass wir für die Menschen unsere Herzen öffnen, für die auch Jesus sein Herz öffnet, denn: Wir gehören zusammen!

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Donnerstag, den 29.05.2014

12. Tag: Offene Herzen

Gebt, und es wird euch gegeben werden
Luk.6:38a

Ich, meiner, mich, mir

„Ich, meiner, mich, mir, Herr segne diese Vier!?“

Der Werbeslogan: „Unterm Strich zähl Ich!“ hat mich schon immer verwundert. Denn wer danach lebt, wird im Minusbereich und mit roten Zahlen leben müssen. Warum? Weil Gottes Rechenformel genau andersherum funktioniert: Gebt, und es wird euch gegeben werden: ein gutes, festgedrücktes, gerütteltes und übervolles Mass wird man euch in den Schoss schütten. Denn mit dem Mass, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.*

Seit über einem Jahr bin ich beruflich im Direktmarketing unterwegs. Dieses Unternehmen hat in seinen Richtlinien verankert, dass Gott an erster, die Familie an zweiter und die Firma an dritter Stelle im Leben kommen solle. Wow! Das war mir zuvor noch in keinem Unternehmen begegnet. Ich fing an, mich in Wirtschaftsfragen weiterzubilden und stieß auf Jim Rohn, einen hoch angesehenen Motivationstrainer. Seine YouTube Seminare wiederholen immer die gleichen Prinzipien: „Man erntet, was man sät. Gib und dir wird gegeben. Sei freigiebig und du wirst glücklich. Achte deinen Nächsten höher als dich selbst. Verhilf anderen zu einem besseren Leben und dann wird auch deines besser.“ Jim Rohn rechnet mit Gottes Formel und das lehrt er millionenfach.

„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“, ist ein Vers, den sowohl meine Kinder als auch ich in der Grundschulzeit lernten und anwenden sollten. Stimmt. Wer möchte schon gerne mit jemandem seine Zeit verbringen, der nur an sich selbst denkt, sich immer das größte Stück Fleisch nimmt? Der immer zuerst gehört werden will, bevor er zuhört, kein „Nein“ akzeptiert und damit den anderen nicht respektiert?

Gottes Prinzip des Gebens ist nicht nur ein Prinzip für Christen, sondern für alle Menschen. Und wenn die Erfolgreichen der Welt sich ungeachtet ihrer eigenen Glaubensüberzeugung dieses Prinzip schon auf ihre Fahne geschrieben haben, wie viel mehr wir, die wir mit Jesus leben. Ein gebendes Herz macht attraktiv. Wer attraktiv ist, ist anziehend. Wer anziehend ist, mit dem ist man gerne zusammen. Und die Person, mit der man zusammen ist, prägt einen. Lasst uns attraktive, anziehende und prägende Menschen sein, die gerne geben.

Esther Dymel-Sohl

*Lukas 6,38, ZB

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Mittwoch, den 28.05.2014

11. Tag: Offene Herzen

Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen;
denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.
2. Kor. 12,10

Das macht mich stark

Als ich mich mit dem Thema „Das macht mich stark“ beschäftigte, schaute ich erst einmal nach Mut machenden Bibelworten, die unser geistliches Selbstbewusstsein stärken sollten. Doch dann landete ich plötzlich bei dem oben aufgeführten Bibelvers. Der ersten Hälfte dieses Verses könnte man wohl eher die Überschrift „Das macht mich schwach“ geben. Allerdings stellt die zweite Hälfte alles wieder auf den Kopf. Wieso in aller Welt kann meine Schwäche mich denn stark machen? Würde dort stehen: „denn wenn ich schwach bin, so ist Christus stark“, dann könnte ich es ja noch verstehen. Doch hier beziehen sich Schwäche und Stärke beiderseits auf mich.

Wie würde der Vers denn lauten, wenn dort das Gegenteil stände? Ich denke, in etwa so: „Darum bin ich guten Mutes, wenn ich mich stark fühle, niemand sich traut, mir zu schaden, wenn ich meinen Glauben frei leben kann und meine Gemeinde geistlich und zahlenmäßig wächst.“ Vermittelt solch ein Vers Stärke? Ich glaube nicht, denn unsere Stärke wäre dann von den äußeren Umständen abhängig. Wir wären in Wahrheit nicht stark, sondern schwach, weil wir alles verhindern oder verdrängen müssten, was negativ erscheint. Wenn uns allerdings unsere eigene Schwachheit, Gefahren, Nöte und Verfolgung nicht mehr zurückweichen lassen, dann sind wir wirklich stark.

Viele verstehen unter Stärke, dass jemand alles um sich herum besiegt bzw. überwindet. Stärke wird also mit Erfolg gleichgesetzt. Doch bei Gott ist das anders. Die wirkungsvollste Demonstration von Gottes Macht war nicht, als er die Sintflut kommen ließ oder Sodom und Gomorra zerstörte oder Feuer auf das Opfer Elias fallen ließ - seine größte Macht bewies Gott, als Jesus blutend, voller Schmerzen und am ganzen Körper zerfetzt am Kreuz hing. Seine Jünger erschraken, weil sie einen starken König erwartet hatten, die Leute lachten und verachteten ihn, doch Gott war gerade dabei, die gesamte Schöpfung zu erlösen! Das Geheimnis der Stärke liegt tatsächlich in der Schwäche. Möge Gott uns dieses aufschließen.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Dienstag, den 27.05.2014

10. Tag: Offene Herzen

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Joh.14,27b

Das macht mir Angst

In welcher schützenden Ritterrüstung stecken wir? Wie sieht der Schutzpanzer um unser Herz aus? Ist es die Festlegung: „Wie es tief in mir drinnen aussieht, das geht NIEMANDEN was an!“? Ist der Panzer angegessen oder besteht er aus irgendeiner anderen Sucht? Ist es der Terminkalender: „Ich habe überhaupt keine Zeit!“ Oder ist der Grund für diese sichere Rüstung schlicht und ergreifend Angst?

Angst vor Verletzungen, die wir schon kennen. Das soll uns nie wieder passieren. Deshalb steigen wir in diese schwerfällige Rüstung, auch wenn uns dieses „Metallkorsett“ sehr einschränkt. Wenn wir z. B. darin tanzen wollen, ist das fast unmöglich. Es sieht nicht nur komisch aus, es hat auch so gar nichts Befreiendes. Dabei hat schon Augustinus einmal gesagt: „Lerne tanzen, Mensch, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen!“

Wie man es auch betrachtet: Sein Herz zu öffnen, bedeutet die Rüstung auszuziehen und sich neu verletzbar zu machen.

Nehmen wir „Offenes Herz“ einmal wörtlich: Wird eine Operation am offenen Herzen durchgeführt, beispielsweise eine neue Herzklappe eingesetzt, dann muss das OP-Team ganz genau auf Sterilität und Desinfektion achten, damit nichts in das Herz hineinkommt, was es krankmachen kann.

Abgesehen von der geistlichen Waffenrüstung, von der die Bibel spricht, funktioniert das Leben als Christ in einer steifen Rüstung nicht. Es genügt auch nicht, nur das Visier hochzuklappen. Nein, die gesamte Rüstung ist hinderlich.

„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh. 16,33). Wenn Jesus in mir lebt, trage ich diese wunderbare, angstüberwindende Kraft Gottes in mir. Nun kann ich mein Herz getrost neu öffnen. So weit wie noch nie! Für Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde, auch für die, bei denen ich mich stark vor neuen Verletzungen fürchte.

Das kann heute schon beginnen. Ziehen wir diese rostige Rüstung doch aus. Seit Jesu Auferstehung hat sie ausgedient. Mit der Lebensübergabe an Jesus beginnt nicht ein kalter Krieg, sondern echter Friede:

„Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Joh. 14, 27)

Bernd Hock

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Montag, den 26.05.2014

9. Tag: Offene Herzen

Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

5. Mos. 6,5 und 3. Mos. 19,18b

Das größte Gebot

Was hat das größte Gebot, wie Jesus es nennt, mit dem Thema „Offene Herzen“ zu tun?

Nun, lieben kann man nicht mit einem verschlossenen Herzen. Liebe geht immer das Risiko ein, verletzt werden zu können. Liebe ist wie eine geöffnete Haustür, nur so kann es zu einer Begegnung mit unserem Nächsten kommen. Wer sich schützen will, mag vielleicht Liebe für jemanden empfinden, doch weitergeben kann er sie nicht. Doch wie können wir unser Schutzbedürfnis und das Gebot Gottes, zu lieben, miteinander vereinen?

Die Frage ist: Wo suche ich eigentlich meinen Schutz? Früher baute man Burgen und Festungen, um Menschen vor feindlichen Angriffen zu schützen. Doch solche Burgen konnten auch zu Gefängnissen werden. Deshalb hatten viele von ihnen einen unterirdischen Geheimgang, um die Burg notfalls verlassen zu können. Und schon haben wir einen neuen „Schutzwall“: das Geheimnis. Wenn nämlich jemand dem Feind verriet, wo sich der Geheimgang befindet, dann wurde dieser zu einer echten Bedrohung. Wir sehen: Jeder Schutz, den ein Mensch für sich aufbaut, ist brüchig. Das gilt bis heute auf allen Gebieten. Nur ein Schutz ist unzerbrechlich: das Blut Jesu Christi.

Das klingt vielleicht etwas realitätsfern. Wie soll uns denn das Blut Jesu schützen, sodass wir unser Herz öffnen können, um andere zu lieben? Nun, den Einzigen, den wir in Wirklichkeit zu fürchten haben, ist Gott selbst. Er hält nämlich jede Sekunde unseres Lebens, jede Situation und jede Gewalt in seiner Hand. Niemand kann etwas tun oder bewirken, wenn Gott es nicht zulässt. Wenn Gott also auf unserer Seite steht, kann uns niemand ernsthaft schaden! Und Gott steht auf unserer Seite, weil Jesus für alles, was uns anklagt, gestorben ist. So schützt uns also das Blut Jesu.

Wenn wir das mehr und mehr verinnerlichen, können wir unsere Herzen öffnen und sowohl Gott selbst als auch unseren Mitmenschen Liebe geben. Lasst uns darauf vertrauen, dass Gottes Liebe stärker ist als unsere Furcht, und auf das Wagnis der Liebe eingehen.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Sonntag, den 25.05.2014

8. Tag: Offene Herzen

Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.
Römer 15,7

Nimm mich, wie ich bin!

Viele Menschen haben in ihren Herzen die tiefe Sehnsucht, „anzukommen“. Damit meine ich nicht, äußerlich gut dazustehen, sondern sich angenommen und akzeptiert zu wissen und auch zu fühlen. Das hat natürlich unter anderem damit zu tun, wie ich mich selbst sehe, aber ebenso damit, wie andere auf mich reagieren. Wir können nicht wesentlich beeinflussen, wie unser Gegenüber sich fühlt. Wie wir auf ihn reagieren, jedoch schon. Hierbei geht es nicht darum, Floskeln parat zu haben, aber der Mensch kann durchaus lernen, sich angemessen zu verhalten, in diesem Falle der Liebe Christi entsprechend. Was ist nun der Liebe Christi entsprechend? Dafür gibt es kein besseres Vorbild als Jesus selbst.

1. Jesus begegnete den Menschen ohne Vorbehalte, Befürchtungen oder Misstrauen. Das ist für uns eine echte Herausforderung. Denn manche unserer Vorahnungen haben sich ja schon bewahrheitet! Wie soll man da noch vertrauen? Machen wir uns jedoch einmal klar, dass Jesus mehr als Vorahnungen hat, sondern tatsächlich schon weiß, mit wem er es jeweils zu tun hat. Umso erstaunlicher ist es, dass er uns so offen begegnet. Folgen wir ihm nach!

2. Jesus ist unbedingt für jeden Menschen. Er hat das am Kreuz bewiesen. Mehr kann man nicht in andere investieren, als sein Leben für sie zu geben. Wo haben wir Vorbehalte gegenüber jemandem und machen unsere Herzenstür dicht? Oder öffnen sie nur einen Spalt breit, um schnell ein „frommes Wort“ zu sagen, damit wir unsere Pflicht getan haben? Geben wir uns doch einen Ruck und machen unser Herz weit: zuerst für Jesus, damit er sich darin ausbreiten kann. Dann für die, die ihm am Herzen liegen, ohne Ansehen der Person. Dies beginnt in unserem Kopf. Bevor wir so handeln können, müssen wir den Entschluss gedacht und gefasst haben, dies tun zu wollen.

3. Jesus hat nicht einfach drauflos kritisiert. Und das, obwohl er alles von jedem wusste. Wie viel wissen wir und meinen dennoch, anderen etwas sagen zu müssen? Wer hat uns dazu berufen? Überlassen wir doch dem Vater im Himmel die Erziehung seiner Kinder. Machen wir es wie Jesus. Er sah über das, was er wusste, hinweg auf das, was Gott tun wollte und vertraute darauf.

Angela Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Samstag, den 24.05.2014

7. Tag: Offene Häuser

Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die keiner wieder schließen kann.
Offb.3:8

Wenn Gott Türen öffnet

Der oben aufgeführte Bibelvers stammt aus einem Brief an eine Gemeinde in der Stadt Philadelphia - das bedeutet: Bruderliebe. Der Autor dieses Briefes ist Jesus Christus, der Schreiber der Prophet und Jünger Jesu Johannes. Die Gemeinde in Philadelphia wirkte nach außen nicht stark. Ihre eigentliche Stärke war ihre Treue zum Wort Gottes. Dieses Wort Gottes - gemeint ist die Botschaft von Jesus Christus und dessen Worte - war in vielerlei Hinsicht konträr zu dem, was in der damaligen Gesellschaft gelehrt und gelebt wurde. Die Christen in Philadelphia waren also für ihre Umgebung Sonderlinge, die wahrscheinlich aber aufgrund ihrer Schwäche nicht als gefährlich erschienen - eine klassische "Hinterhofgemeinde". Die wirklich starken religiösen Kräfte saßen woanders. Sie werden in dem Brief als "Synagoge des Satans" bezeichnet.

Genau dieser Gemeinde, die sich selber vielleicht lieber verkriechen würde, verheißt Jesus eine offene Tür, die niemand schließen kann. Und wer sollte durch diese Tür kommen? Die Leute aus der Synagoge des Satans. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Verheißung in der damaligen Gemeinde nicht nur auf großen Jubel stieß. "Ist es nicht schon anstrengend genug, in dieser Gesellschaft gottgefällig zu leben?" "Werden wir jetzt auch noch überflutet von Leuten, die aus einem religiös okkulten Hintergrund kommen?" So mögen einige damals gedacht haben. Sollte Gott die Tür nicht lieber schließen?

Nun, in diesem Brief steht auch etwas von einer Tür, die Gott schließen wird. Dort heißt es: Weil du mein Wort bewahrt hast, das dir die Kraft gibt, auszuharren, werde auch ich dich bewahren in der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, die Erdenbewohner zu versuchen. (Offb. 3,10)

Wenn also Gott in unserem Leben Türen öffnet, die uns vielleicht ängstigen, so sollen wir auch wissen, dass er auf der anderen Seite auch Türen schließen und uns vor dem bewahren wird, was wir befürchten. In diesem Vertrauen können wir zuversichtlich in neue Situationen hineingehen - wir sind dort weder schutzlos noch allein.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Freitag, den 23.05.2014

6. Tag: Offene Häuser

"Klopft an, und es wird euch geöffnet."
Matt. 7,7

Ausgeschlossen?

Da sitzt er und würde doch so gern rein! Der Speichel tropft und er hechelt vor lauter Begierde. Allein der Geruch, den die Fleisch- und Wurstspezialitäten durch die sich immer wieder öffnende Ladentür zur Schlachterei an seine Hundenase drängen, macht ihn fast verrückt. Doch Bello hat keine Chance! Ein auffälliges weißes Schild mit rotem Rahmen und abgebildeten Hunden warnt in roter, fetter Schrift: "Wir müssen draußen bleiben!" Die Tür zur Metzgerei ist grundsätzlich offen, doch rein darf lange nicht jeder.

Doch nun mal weg von den Vierbeinern:
"Hier ist ein Mensch, schick' ihn nicht fort!
Gib ihm die Hand, schenk ihm ein Wort.
Hier ist ein Mensch, der will zu dir.
Du hast ein Haus, öffne die Tür.
Öffne die Tür, öffne die Tür.
Hier ist ein Mensch, der will zu dir!"
So der Text eines bekannten, alten Schlagers von Peter Alexander. Scheinbar war es auch damals nötig, Menschen zu ermahnen bzw. zu ermutigen, für andere ihr Haus zu öffnen.

Gottes Einladung gilt jedem! Jeder Frau, jedem Mann, jedem Kind … "Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet. Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet." (Matthäus 7, Verse 7-8).

Wenn Du Dich einmal für Gott geöffnet hast, wenn Du Jesus eingeladen hast, in Dein Leben zu kommen - also "bekehrt" hast - dann lebt heute Gott höchstpersönlich in Dir. Der, dessen Tür für jedermann weit geöffnet ist, lebt in Dir.

Bedeutet dies automatisch, dass auch Deine Türen weit offen sind, für ALLE? Ich glaube nicht.

Für wen gilt Dein unsichtbares Schild "Wir müssen draußen bleiben!"? In Deinem Blick wird es regelmäßig sichtbar, vor vielen Jahren wurde es unsichtbar an deiner Hauswand angebracht. Wen willst Du nicht rein lassen? Warum nicht?

Vielleicht fühlst Du Dich jetzt ermutigt, das Warnschild abzuschrauben. Schnell wirst Du merken, dass die Befestigungsschrauben verrostet und regelrecht im Mauerwerk "eingefressen" sind. Nutze den "Schraubenzieher", den Gott Dir geschenkt hat. Den Heiligen Geist! Bitte ihn, das Schild und alle damit verbundenen Vorurteile, Abneigungen und Ängste zu lösen.

Nun musst Du nicht auf Krampf denjenigen suchen und in Dein Haus bitten, bei dem es Dir bisher extrem schwerfiel. Aber: Sei offen! Offen dafür, dass er kommen wird.

Bernd Hock

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Donnerstag, den 22.05.2014

5. Tag: Offene Häuser

Und wenn ein Fremder bei dir lebt in eurem Land, sollt ihr ihn nicht bedrängen. Wie ein Einheimischer soll euch der Fremde gelten, der bei euch lebt. Und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr seid selbst Fremde gewesen im Land Ägypten. Ich bin der HERR, euer Gott.
3.Mos.19:33-34

Fremde willkommen

In den letzten Jahrzehnten hat sich in Deutschland viel verändert. Wir sind lange nicht mehr das Land der Deutschen. Millionen Türken, Afghanen, Asiaten, Afrikaner und Südamerikaner leben unter uns. Menschen, die unsere Kultur nicht kennen und in ihr nicht heimisch sind. Im oben aufgeführten Bibelvers regelt Gott den Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen. Sie sollen wie Einheimische behandelt und geliebt werden. Dieses Gebot gab Gott seinem Volk Israel.

Israel selbst hat die meiste Zeit seiner Existenz als Fremder unter anderen Völkern gelebt. Wir wissen aus der Geschichte, wie viel Schuld etliche dieser Völker auf sich geladen haben, weil sie die Juden diskriminiert, verfolgt, gefoltert und umgebracht hatten. Wie konnte so etwas geschehen? Nun, es immer leicht, über einen Fremden Gerüchte zu verbreiten. Da ihn niemand richtig kennt, ist man schnell bereit, solche Dinge zu glauben. So verbreitete man über die Juden, sie seien raffgierig und planten eine Weltverschwörung gegen uns. Moslems erscheinen plötzlich alle als potenzielle Sebstmordterroristen - gerade die mit den langen Bärten, Polen klauen gern und Franzosen spannen einem die Freundin aus.

Doch auch wir Christen sind wie Fremde im eigenen Land. Unser Glaube, unsere Maßstäbe und unsere Ethik erscheinen vielen Mitbürgern suspekt. Wir erfahren also am eigenen Leib, was es heißt, fremd zu sein. Man sieht es uns zwar von außen nicht an, doch unser Bekenntnis bringt es ans Licht.

Wenn wir selber erleben, was es heißt, ein Außenseiter zu sein, so sollten wir dieses Verhalten nicht in unseren eigenen Reihen fortsetzen. Mit Menschen aus anderen Kulturen klar zu kommen, ist nicht immer leicht - doch es lohnt sich. Gerade der Umgang mit Fremden macht deutlich, welcher Geist in uns wirksam ist. Jesus hat uns nicht nur mit dem Vater versöhnt, sondern auch untereinander. So lasst uns auch Menschen aus anderen Kulturen Raum in unseren Herzen und Häusern geben.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Mittwoch, den 21.05.2014

4. Tag: Offene Häuser

Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes!
Markus 10,14

Kinder erwünscht

Was ist dieser Aussage Jesu vorangegangen? Jesus beantwortet eine Frage der Pharisäer rund um das Thema Ehescheidung und Ehelosigkeit, wobei eine große Volksmenge zuhört. Es geht also um schwierige theologische Fragen, die Jesus mit den Worten beendet: "Wer es fassen kann, der fasse es." Ausgerechnet im Anschluss an solch ein für Erwachsene schon schwer verständliches Thema sucht eine Personengruppe Kontakt zu Jesus, die irgendwie gar nicht hierher passt: Kinder, die wahrscheinlich noch sehr klein waren und allem Anschein nach von ihren Eltern zu Jesus gebracht werden.

Die Bitte der Eltern ist klar. Jesus soll den Kindern die Hände auflegen und für sie beten. Aber da haben sie die Rechnung ohne die Jünger gemacht, deren Aufgabe es zu sein scheint, Termine für Jesus zu regeln und eine Vorauswahl der Personen zu treffen, die Jesus persönlich begegnen dürfen. Die Kinder sind wohl eher ein Störfaktor und werden streng abgewiesen. Die Jünger wollen nur das Beste für Jesus. Und Jesus? Jesus ist anders und reagiert auch ganz anders. Er ist über das Handeln seiner Jünger sehr ungehalten, weist sie zurecht und nimmt sich Zeit für die Kinder. Jesus schenkt ihnen seine volle Aufmerksamkeit und Liebe. Er lädt sie ein, ganz nah bei ihm zu sein. Er begegnet ihnen ganz persönlich und betet für sie. Ja, er geht sogar noch einen Schritt weiter und erklärt diese kleinen Kinder als Modell für wahre Gläubige. Ihnen gehört das Reich Gottes. Was macht sie so besonders? Sie können bedingungslos vertrauen, wissen um ihre Hilflosigkeit und Abhängigkeit, wissen, dass sie nichts bringen, aber alles empfangen können. So dienen sie uns als Vorbild für den Glauben.

Was können wir im Bezug auf unser Wochenthema "offene Häuser" davon mitnehmen?

Auch unsere kleinsten Gottesdienstbesucher sehnen sich nach einer Begegnung mit Jesus, auch wenn sie dies nicht auf der Ebene der Erwachsenen können. Stellen wir für sie ein Hindernis dar oder sind wir bereit, Jesu Beispiel zu folgen: uns zu ihnen herabzubeugen und sie herzlich willkommen zu heißen, sie wirklich zu sehen und ihnen unsere Aufmerksamkeit, Zeit und Liebe zu schenken?

Wenn es uns gelingt, die Kinder so anzunehmen, wie Jesus es tat, dann öffnen wir ihnen den Weg zu Jesus und können ihm gemeinsam in unseren Gottesdiensten begegnen.

Brigitte Selent

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Dienstag, den 20.05.2014

3. Tag: Offene Häuser

Vergesst nicht, gastfrei zu sein. Durch ihre Gastfreundlichkeit haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen.
Hebr. 13,2

Der Engel vor der Tür

Hat sich jemand von uns schon einmal mit diesem Gedanken auseinandergesetzt, dass Gott einen Engel in Menschengestalt an unserer Haustür klopfen lassen könnte? Das klingt ja fast wie ein Fantasieroman. Doch die Bibel berichtet an verschiedenen Stellen, dass so etwas schon einmal geschehen ist.

Zum Beispiel bei Abraham. Er wurde von Engeln besucht, die nicht wie übernatürliche Wesen erschienen. Die erste Reaktion Abrahams war es, diesen Wanderern zu dienen und sie zu bewirten. Ein wenig später kamen die Engel in Menschengestalt zu Lot, Abrahams Neffen. Auch er lud sie sofort zu sich ein. Doch dann wurden die Gäste Lots von den Einwohnern Sodoms bedroht. Lot aber stellte sich schützend vor sie. Er bot diesem Mob sogar an, seine zwei Töchter stattdessen herauszugeben, was für uns unfassbar erscheint - so wichtig war Lot die Gastfreundschaft. Doch Gott ließ das nicht zu.

Gerade am Beispiel Lots entdecken wir, dass Gott seine Engel zu unvollkommenen, ja, sogar verkehrt denkenden Menschen schickt. Nicht der gottgemäße Lebensstil, nicht das aufgeräumte Haus, nicht die richtige Einstellung zum Leben ist in solch einem Falle entscheidend, sondern nur: Nehme ich sie auf oder nicht!

Genau dazu fordert uns Gottes Wort auf. Selbst wenn wir schlechte Erfahrungen mit spontanen Gästen gemacht haben, selbst wenn wir Gäste anstrengend finden, weil sie in unser Privatleben eindringen - ich denke, niemand von uns möchte gern einen Engel abweisen. Nun stellt sich aber ärgerlicherweise ein Engel nicht als solcher vor. Deshalb lasst uns einfach Gott vertrauen, dass er uns schützt und auch segnet, wenn wir unsere äußeren und inneren Türen öffnen.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Montag, den 19.05.2014

2. Tag: Offene Häuser

"Zachäus, komm schnell herunter! Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein."
Luk. 19,5

"Heute esse ich bei dir!"

Wer von uns kennt sie nicht, die lieben Mitmenschen, die sich selbst gerne zum Essen einladen, frei nach dem Motto: "Heute esse ich bei dir!" "Wie bitte? Unverschämt!", möchte man ihnen am liebsten entgegnen, doch das traut man sich nicht. Nun sucht man krampfhaft nach Ausreden, um den ungeladenen Gast galant abzuwimmeln.

Jesus gehörte auch zu den "Unverschämten", die sich ohne Einladung mal hier, mal da selbst zum Essen anmeldeten. "Zachäus, los, komm herunter, denn heute muss ich in deinem Haus einkehren", waren die Worte, mit denen er den kleinen Mann vom Baum herunterholte. Und Zachäus? "Der kam eilends herunter und nahm ihn voller Freude auf."* "Ja", höre ich den einen oder anderen sagen, "wenn sich Jesus bei mir zum Essen anmeldete, dann würde ich ihm auch voller Freude ein 5-Gänge-Menü servieren. Aber die ungepflegte Frau aus der letzten Reihe im Gottesdienst, mein Nachbar, der seinen Rasen immer sonntags mäht und das Kind, das ständig ohne Punkt und Komma sabbelt, sind ja nicht Jesus! Die will ich nicht ungeladen an meinem Tisch haben."

Hm, mir fällt die Stelle aus Matthäus* ein, in der Jesus sagt: "Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Jesus ist es wichtig, dass wir unsere Mitmenschen so behandeln, wie wir ihm selbst begegnen würden. Deshalb lasst uns unsere Häuser auch für die ungeladenen und unerwarteten Gäste offen halten:

Der Ehrengast

Wir warten auf den Ehrengast! / So ganz in Eile und in Hast
wurde das Haus geschmückt und da / stehen die Leckereien, ja.
Und die Getränke - ein Gedicht! / auch fehlt der köstliche Nachtisch nicht.
Mit allem, was das Herz begehrt, / wird unser Ehrengast geehrt.
Es klingelt, alle geh’n zur Tür. / Was macht denn dieser Penner hier?
Will hier herein? Auf keinen Fall! / Die Tür schlägt zu mit einem Knall.
Es klingelt ein Zigeunerkind. / "Komm, geh nach Hause, lauf, geschwind!
Wir haben gleich einen Ehrenbesuch / - keine Zeit für deinen Bettelversuch."
Es klingelt, unsre Nachbarin / ist einsam, doch hier bei uns drin
ist jetzt kein Raum für Alltagssorgen, / vielleicht ja später, oder morgen.
Hier sitzen wir und warten, / ja mehr noch, wir erwarten
den Ehrengast … der war schon da, / als Penner, Kind und Frau Nachbar.

Esther Dymel-Sohl

*Luk 19,5-6; **Matt 24,40

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Sonntag, den 18.05.2014

1. Tag: Offene Häuser

Und die Sonne wurde verfinstert, und der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei.
Luk. 23,45

Der zerrissene Vorhang

Die Bibel berichtet, dass in dem Moment, als Jesus starb, der Vorhang im Tempel zerriss. Dieser Vorhang trennte das Allerheiligste - dort, wo Gott gegenwärtig war - vom Rest des Tempels. Weshalb gab es überhaupt diesen Vorhang?

Seit dem Sündenfall hat sich etwas Grundlegendes zwischen Gott und uns verändert. Wenn wir in Gottes Nähe kommen, provoziert unser unheiliges Wesen Gottes Zorn. Wir könnten vor ihm nicht bestehen. Er, der jeden Gedanken und jede Regung von uns kennt, will uns einerseits nahe sein, andererseits nicht zu nahe. Wir sind, um es salopp auszudrücken, für Gott wie ein ungewaschener Mensch, den wir zwar lieben, doch nicht auf zu engem Raum. So hatte sich Gott von uns abgeschirmt, damit wir nicht umkommen. Diese Abschirmung war der Vorhang vor dem Allerheiligsten.

Doch plötzlich riss dieser Vorhang entzwei - nicht durch Menschenhand, Gott selber war es. Gott öffnet im gewissen Sinne seine Privatgemächer und fordert uns mehrfach in der Bibel auf, einzutreten. Sind wir denn auf einmal so viel besser und heiliger geworden, dass Gott uns in seiner Nähe aushält? Das sah damals eigentlich nicht so aus. Judas hatte gerade den Sohn Gottes verraten, Petrus hatte ihn verleugnet, die Jünger hatten sich gerade noch gestritten, die Juden wollten Jesus am Kreuz sehen und die Römer hatten unseren Herrn gefoltert. Das sieht nicht nach einer besseren Menschheit aus.

Nein, in Wahrheit hat sich bei Gott etwas verändert. Er betrachtet uns jetzt durch das Opfer Jesu. Sein ganzer Zorn, der eigentlich uns galt, ging auf Jesus nieder - nun hat Gott von seiner Seite aus Frieden mit uns geschlossen. Und das erste Zeichen für diesen Frieden war und ist der zerrissene Vorhang.

Genauso, wie Gott es getan hat, können auch wir es tun. Vielleicht haben auch wir uns in unseren Häusern vor anderen abgeschirmt, weil sie uns anstrengen, manchmal sogar nerven oder unangenehm sind. Werfen auch wir diese trennenden Faktoren auf Jesus. Dann verändert sich etwas in unserem Inneren. Ein sichtbares Zeichen für solch eine Veränderung ist eine offene Tür. Menschen sind willkommen bei uns, so, wie wir bei Gott willkommen sind.

Hans-Peter Mumssen

Artikel zur "offenen Gemeinde" für Samstag, den 17.05.2014

Vorwort

Im Laufe der nächsten 43 Tage erscheinen hier tägliche Artikel zu dem Gemeindeprojekt: "Offene Gemeinde"!
Hier nun eine kurze Erklärung, was mit "Offener Gemeinde" gemeint ist:

Die offene Gemeinde

Die Grunderkenntnis ist:
Der Schlüssel zur Mission liegt in der geistlichen Ausrichtung einer Gemeinde und nicht in speziellen Aktionen.

Um welche Ausrichtung geht es?
Es geht darum, dass jedes Gemeindemitglied sich in Bewegung befindet, getrieben durch das Bestreben, Christus in allem ähnlicher zu werden. Das bedeutet: Die Gemeinde von morgen ist nicht mehr wie die Gemeinde von heute. Sie befindet sich in einer permanenten geistlichen Veränderung, die von der Bibel Heiligung genannt wird. Eine solche Gemeinde nenne ich offene Gemeinde.

Diese Ausrichtung hat weitreichende Folgen für das innere Gemeindeleben:

  • Der Halt einer Gemeinde ist nicht die Tradition, sondern die Verbindung zu Christus.
  • Die Abgrenzung der Gemeinde nach außen (Konfession, Denomination, Tradition) spielt nur noch eine untergeordnete Rolle, da sich die Gemeinde nicht mehr nach ihrem IST-Zustand definiert, sondern danach, wo sie hin will. Sinnbildlich ist es wie bei der Erde: Sie braucht keinen Stahlmantel, um ihre Atmosphäre festzuhalten. Die Erdanziehungskraft genügt. Hat Jesus Christus in einer Gemeinde diese Anziehungskraft, kann sie ihre inneren Türen öffnen, ohne befürchten zu müssen, dass ihre Mitglieder weglaufen.
  • Die Theologie einer offenen Gemeinde geht davon aus, dass unsere Erkenntnis Stückwerk ist. Wir können also von anderen lernen und andere auch von uns.

Missionarische Auswirkungen:

  • Eine offene Gemeinde empfindet sich nicht als vollständig. Als Paulus in Korinth war, sprach Gott zu ihm: "Bleibe hier und predige das Evangelium, denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt." Die Menschen, die Gott hier Volk nennt, waren offensichtlich noch keine Nachfolger Jesu. Doch in ihrem Herzen waren sie bereit für das Evangelium. Dieses Volk nenne ich Schattengemeinde. Es sind Menschen, die aus Gottes Sicht einmal zu uns gehören werden. Eine offene Gemeinde erwartet diese und heißt sie willkommen.
  • Der missionarische Antrieb einer offenen Gemeinde kommt aus der Liebe zu Jesus Christus (wo er hingeht, wollen auch wir hingehen). Wie die einzelnen Christen emotional auf eine verlorene Welt reagieren, ist unterschiedlich. Das Handeln eines Rettungssanitäters wird nicht davon bestimmt, ob er großes Mitgefühl mit der zu rettenden Person hat. Entsprechend missionieren Christen nicht nur dann, wenn sie große Retterliebe empfinden, sondern weil Jesus sie beauftragt hat.
  • Die missionarische Strategie einer offenen Gemeinde kann mit folgendem Leitspruch wiedergegeben werden: Nur wer selber in Bewegung ist, kann andere in Bewegung versetzen. Es geht um die Bewegung auf Christus zu, die sowohl vor als auch nach einer Bekehrung bestimmend ist. Daraus ergeben sich noch folgende Konsequenzen:
  • Eine offene Gemeinde evangelisiert nicht konfrontativ (wir sind richtig - ihr seid falsch - werdet so wie wir). Sie evangelisiert integrativ (wir sind auf dem Weg - komm mit!).
  • Es ist durchaus möglich, dass berufene Evangelisten konfrontativ evangelisieren, doch die Gemeinde als Ganzes tut es nicht.
  • Eine offene Gemeinde reagiert positiv auf das Suchen eines Menschen, ganz gleich, wie weit er noch von einer Lebensübergabe entfernt ist. Sie besitzt eine integrative Kraft. So wie Kinder in der Gemeinde schon ein Stück weit dazugehören, auch wenn einige ihr Leben Jesus noch nicht übergeben haben, versucht eine offene Gemeinde hinzukommende Menschen mit hineinzunehmen.

Ich wünsche uns allen Gottes Segen,
Pastor Hans-Peter Mumssen