Reportage:

ACAI-Saft für die Elmshorner Tafelbesucher:
„Alleine trinken macht einsam“ 

Von Esther Dymel-Sohl

Es ist kurz vor zehn Uhr morgens am 18.06.2013 und die Sonne beleuchtet das bunte Treiben vor der Lornsenstr. 53 in Elmshorn „Gleich können wir die ersten vier Leute reinlassen“, instruiert Tafelchefin Claudia Redmann ihre Mitarbeiter. Vor dem Gebäude des Christus-Zentrum Arche in Elmshorn stehen bereits etwa 40 Personen an, um nach und nach in Vierergruppen Lebensmittel mit nach Hause zu nehmen, die der Elmshorner Tafel von Supermärkten und Firmen gespendet wurden. 

Große Sachspende

Das MonaVie-Team (Foto: A. Krampitz)

Die amerikanische Firma MonaVie hat der Tafel für den heutigen Tag 680 Flaschen ihres MonaVie-Saftes „Original“ im Wert von mehr als 20.000 Euro als Spende zukommen lassen.

Andreas ist Mitarbeiter der Tafel und heute zuständig für den reibungslosen Ablauf bei der Lebensmittelausgabe. Er verteilt Nummern an die Wartenden vor der Tür – wie bei der Behörde. In dieser Reihenfolge werden dann die Personen hereingerufen. „So vermeiden wir Streitigkeiten unter den Besuchern, wer wann zuerst da war und wer sich vorgedrängelt hat“, sagt er.

Von öffentlichem Interesse

Reporter auf Reportage (Bild: A. Krampitz)

Zwei Journalisten sind gekommen, um die große Spendenaktion der Firma MonaVie für die Öffentlichkeit festzuhalten. In den Elmshorner Nachrichten und der Holsteiner Allgemeinen Zeitung wollen sie darüber berichten, dass ein Team von freien Distributoren die Flaschen kostenfrei an die Besucher verteilt. Damit wollen sie auch andere Firmen motivieren, die Tafel mit Produkten zu unterstützen. „Das Haltbarkeitsdatum auf den Flaschen ist Juli 2013“, erzählt Barbara Lohse von MonaVie. „Die Firma stand vor der Entscheidung, entweder den ACAI-Saft zu entsorgen oder damit etwas Gutes zu tun.“ Tafelmitarbeiter und –gäste werden interviewt, klick, klick, klick machen die Kameras und eine freudige Aufregung macht sich breit.

„Nummer eins bis vier bitte!“ Andreas Stimme schallt über den Parkplatz vom CZA. Eilig geben die Besucher ihre Nummern ab und können sich zunächst Obst, Gemüse und Brot aussuchen. 

Für Menschen in Not

Im Frühjahr 1998 fragte die Stadt Elmshorn die Gemeinde des Christus Zentrums Arche, ob sie bereit sei, eine warme Mahlzeit für Menschen anzubieten, die obdachlos oder finanziell sehr knapp begütert sind. Mittlerweile hat sich dieses Angebot ausgeweitet und eine Lebensmittelausgabe ist vormittags hinzugekommen. Derzeit arbeiten über zwanzig Mitarbeiter größtenteils ehrenamtlich bei der Tafel mit und sorgen dafür, dass täglich etwa 80 Mahlzeiten für einen Euro pro Essen ausgegeben werden können und die Lebensmittelausgabe personell besetzt ist. Pastor Hans-Peter Mumssen ist Leiter und Koordinator der Tafelarbeit: „Viele unserer ehemaligen Gäste sind inzwischen zu wertvollen Mitarbeitern geworden, was ihnen einen großen Teil ihres Selbstwertgefühls zurückgibt. Somit verfolgt die Arbeit der Elmshorner Tafel auch einen starken arbeitstherapeutischen Ansatz.“

Tafelbesucher Nummero eins bis vier kommen derweil mit vollen Tüten von dem Lebensmitteltisch herüber zum MonaVie-Stand, um sich dort mit der ACAI-Premiummischung zu versorgen. Eine Kiste mit jeweils vier Flaschen bekommt jeder von ihnen noch unter den Arm geklemmt.

Integrativ

Übergabe der Flaschen (Foto: A. Krampitz)

Viele Tafelbesucher sprechen kaum Deutsch. Deshalb haben sich die Vertriebspartner um einen russischen Übersetzer und eine türkische Übersetzerin bemüht. „Da der MonaVie Saft kein gewöhnlicher Saft ist, sondern nur in kleinen Mengen getrunken werden muss, ist es uns wichtig, den Tafelbesuchern auch in ihrer Muttersprache zu erklären,  dass sie von der ACAI-Saftmischung täglich nur 30 - 40 ml zu trinken brauchen, um die für einen Tag empfohlene Menge an Antioxidantien zu sich zu nehmen“, sagt Elke Rieger-de Boer, MonaVie-Vertriebspartnerin. Sie selbst ist Ernährungsberaterin, hat viele Jahre lang Ernährungskurse an der Volkshochschule gegeben und weiß, wovon sie redet. Und sie fügt noch hinzu: „Nur 120 ml MonaVie beinhalten die gleiche Menge an Antioxidantien wie 13 Portionen Obst und Gemüse.“

"Alleine trinken macht einsam..." (Foto: edyso)

Die Tafelbesucher haben die unterschiedlichsten Hintergründe. Eine Dame ist mit ihrer ganzen Familie vor einigen Jahren aus Afghanistan vor den Taliban geflohen. Ihre abenteuerliche Flucht führte sie über Russland nach Deutschland – mit 4 kleinen Kindern im Gepäck. Die Strapazen der Reise haben sich in ihre Gesichtszüge eingegraben. Sie ist mit ihrer Nachbarin gekommen. Ein Lächeln huscht über ihren sonst sehr müden Blick, als sie sich für die Saftflaschen bedankt.  Ein Gast wohnt mit Freunden in einem kleinen Häuschen um die Ecke. So einen wertvollen Saft habe er noch nie besessen, sagt er freudestrahlend. „Die Kiste werde ich mir mit meinen Kollegen teilen. Alleine trinken macht einsam“ meint er noch und lacht.

Wer gibt, dem wird gegeben

Mittlerweile ist es Mittag geworden und die Mittagessen-Ausgabe hat geöffnet. Es gibt Kartoffelbrei mit Bratwurst und zum Nachtisch: Eine Kiste ACAI-Saft.

Um 13.00 Uhr ist alles vorbei. Die Küche ist wieder gesäubert, das Gemüse ist bereits für den kommenden Tag geschält, das Geschirr abgewaschen und die MonaVie Kisten sind verteilt.

Die MonaVie-Vertriebspartner stehen noch beisammen und lassen den Tag Revue passieren. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind erfüllt von den vielen positiven Begegnungen mit Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Sie konnten erleben, wie sie anderen eine Freude machten und sie selbst dabei gesegnet wurden. Der biblische Grundsatz „Wer gibt, dem wird gegeben“ erfüllte sich vor ihren Augen. Beschwingt machen sich alle auf den Heimweg und die Sonne lacht mit ihnen.