Die doppelte Last

von Hans-Peter Mumssen

Niemand soll leiden wegen Mordes, Diebstahl, Unruhestiftung oder wegen Einmischung in fremde Angelegenheiten. Doch es ist keine Schande, dafür zu leiden, dass man Christ ist. Ihr sollt Gott vielmehr dafür loben, dass ihr zu Christus gehört! (1.Petr. 4,15-16)

In unserem Leben begegnen uns nicht nur Freuden, sondern auch Nöte. Manchmal kommen sie so gehäuft, dass wir uns fragen, wie wir das alles tragen sollen. Zum Beispiel wird ein Kind krank, die Mutter liegt im Sterben und der Staat verlangt eine unerwartete Steuernachzahlung von 2000 €. Es gibt Engpässe, Nöte, Probleme und Leiden, die wir nicht beeinflussen können. Darüber hinaus gibt es jedoch auch eine Art von Leid, das wir bewusst in Kauf nehmen. Es ist das Leiden um Christi willen. Dieses Leid hebt der Apostel Petrus im obigen Bibelvers besonders hervor und bezeichnet es geradezu als eine Ehre, für Jesus leiden zu dürfen. Vielen unserer Glaubensgeschwister geht es so und trotzdem bekennen sie sich mutig zu Christus und geben das Evangelium an andere weiter. Ob uns nun nicht änderbare Nöte treffen oder wir um Jesu willen leiden, in allem sollen wir wissen, dass Gott uns gerade in solchen Zeiten besonders nahe ist, uns tragen hilft und seine Herrlichkeit auf uns legt. Unser Umgang mit Not und Leid lässt deutlich erkennen, wie sehr Jesus Christus unser Leben verändert hat. Wir wissen uns in ihm geborgen, erleben unbeschreiblichen Trost und geben diesen sogar noch an andere weiter.

Doppelte Lasten

Doch es gibt auch so etwas wie eine doppelte Last. Das bedeutet, dass sich zu der Last, die Gott uns zumutet, eine weitere Last gesellt, die uns völlig überfordert. Diese weitere Last ist uns nicht von Gott auferlegt. Was ist solch eine Last? Wie wirkt sie sich aus? Diese doppelte Last besteht im gewissen Sinne aus zwei Komponenten. Die eine ist unsere eigene Reaktion auf Belastungen, die andere eine Folge eines inkonsequenten Lebens in der Nachfolge Jesu Christi.

Der Blick nach oben

An mehreren Stellen der Bibel werden wir aufgefordert, gerade in schwierigen Zeiten nach oben zu schauen. So rät uns Petrus im anfänglichen Bibelvers, Gott zu loben, wenn wir um seines Namens willen leiden. Das kann geschehen, wenn wir verachtet oder verfolgt werden, weil wir uns zu Jesus Christus bekennen. Das kann auch passieren, wenn wir uns weigern, etwas zu tun, was dem Wort und Wesen Jesu widersprechen würde - zum Beispiel zu lügen, Mitmenschen zu mobben, sie zu übervorteilen, untreu oder vor der Zeit mit jemandem intim zu werden. Doch auch, wenn unsere Not durch Krankheit oder Arbeitslosigkeit erzeugt wird, sollten wir unseren Blick nach oben wenden - denn von dort kommt unsere Hilfe. Wenn wir nun aber ständig auf uns selbst schauen, andere vielleicht beneiden, weil es ihnen scheinbar besser geht, und schon Angst vor dem nächsten Tag haben, dann legt sich eine zusätzliche Last auf unser Leben. Es wird dann nicht leichter, sondern noch schwerer. Jemand sagte einmal: „Manch einer stirbt tausend Tode, eher er den einen tatsächlichen Tod stirbt.“ Das bedeutet, tausend Tode zu viel gestorben. Besser wäre es, Gott darin fest zu vertrauen, dass er unsere Lebenslänge bestimmt hat. Niemand kann sie verkürzen oder verlängern. Wenn wir in diesem Vertrauen leben, fällt so manch eine unnötige Last von uns ab.

Folgende Bibelstellen können uns dabei helfen:

Überlasst all eure Sorgen Gott, denn er sorgt sich um alles, was euch betrifft! (1.Petr. 5,7)

Gott segnet euch, die ihr gehasst und ausgeschlossen und verspottet und verflucht werdet, weil ihr zum Menschensohn gehört. Wenn das geschieht, dann freut euch, springt vor Freude! Denn im Himmel erwartet euch eine große Belohnung. Und denkt daran, dass die Propheten früher von euren Vorfahren genauso behandelt wurden. (Luk.6:22-23)

Wenn all das anfängt, dann richtet euch auf und hebt den Blick, denn eure Erlösung ist ganz nahe! (Luk. 21,28)

Freut euch, wenn ihr beschimpft werdet, weil ihr zu Christus gehört. Denn daran wird sichtbar, dass der Geist der Herrlichkeit Gottes bei euch ist. (1.Petr. 4,14) 5

Leidet jemand von euch? Dann soll er beten. Und wer Grund zur Dankbarkeit hat, soll dem Herrn Loblieder singen. Ist einer von euch krank? Dann soll er die Ältesten der Gemeinde holen lassen, damit sie für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Ihr Gebet im Glauben an Gott wird den Kranken heilen, und der Herr wird ihn aufrichten. Und wenn er Sünden begangen hat, wird Gott ihm vergeben. (Jak. 5,13-15)

Unnötiges Leid

Kehren wir noch einmal zu unserem ursprünglichen Bibelvers zurück. Dort sagt Petrus zu Beginn: „Niemand soll leiden wegen Mordes, Diebstahl, Unruhestiftung oder wegen Einmischung in fremde Angelegenheiten.“ Es gibt also auch ein unnötiges Leid, welches eine Folgeerscheinung eines unheiligen Lebens ist. Jesus Christus ist ja ein Befreier. Wenn wir allerdings immer nur von solchen Folgeerscheinungen befreit werden wollen, werden wir nie richtig frei. Vielmehr will uns Gott davon befreien, Dinge zu tun, die uns und anderen schaden. Also: Von einem Raucherbein geheilt zu werden, ist gut - doch vom Rauchen befreit zu werden, ist besser! Sich zu entschuldigen, wenn man jemandem geschadet oder ihn verletzt hat, ist gut - doch sein loses Mundwerk mit Gottes Hilfe in den Griff zu bekommen, ist besser! Gottes Hilfe in den Finanzen zu erfahren, ist gut - sein Geld jedoch nicht mehr für unnötige Dinge auszugeben, ist besser. In diesem Sinne könnte man die Reihe fortsetzen. Nun erwähnt Petrus allerdings noch eine besondere Sache, die viel Leid erzeugen kann. Es geht darum, sich nicht in fremde Angelegenheiten einzumischen. Dahinter steckt ein ganzer Sack voller Nöte. Petrus redet hier, wie ich meine, von verschiedenen Arten der Grenzüberschreitungen. Wenn ich zum Beispiel einer anderen Person ständig hineinrede, sie also dazu bringen will, meine Sicht der Dinge zu übernehmen, so ist das sehr unangenehm. Oder wenn ich jemanden im kontrollierenden Ton abfrage, was er bzw. sie gerade macht oder gemacht hat. Wenn jemand in den Arbeitsbereich eines Kollegen eingreift, oder einer ungefragt den Arbeitsbereich des anderen aufräumt, oder jemand die Taschen eines Familienmitglieds kontrolliert, dann führt das häufig zu Verwerfungen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das alles nur „gut gemeint“ war. Jeder Mensch hat seine eigene Verantwortlichkeit, die man ihm auch lassen muss. Ich muss auch nicht kontrollieren, ob der Handwerker, der bei mir arbeitet, tatsächlich alle seine Verdienste bei der Steuer angibt. Auch das ist eine Art von Übergriffigkeit.

Es gibt dazu zwei interessante Verse in der Bibel: Wer bist du, dass du einen Diener Gottes verurteilst? Er ist dem Herrn verantwortlich, deshalb überlasst es Gott, sein Verhalten zu beurteilen. Der Herr hat die Kraft ihm zu helfen, sodass er das Richtige tun wird. (Röm. 14,4)

Urteilt also nicht vorschnell, sondern wartet, bis der Herr kommt. Er wird alles Verborgene ans Licht bringen, alles, was jetzt noch im Dunkeln liegt, und wird die geheimsten Gedanken der Menschen aufdecken. Dann wird jeder von Gott die Anerkennung bekommen, die er verdient. (1.Kor. 4,5)

Es geht aber leider noch schlimmer - auch unter Christen: Verbale Beschimpfungen, Vorurteile, Verdächtigungen oder, wenn Väter oder Mütter ungebeten das Bad betreten, in dem sich gerade ihr älter werdendes Kind befindet. Übergriffe auf die Intimsphäre eines anderen Menschen. Auch der Ehepartner ist kein „Freiwild“. Wir erleben heute eine Flut von Zerwürfnissen, die wiederum eine Flut von Leid und Einsamkeit zur Folge haben. Dieses Leid wollte Gott uns nie auferlegen.

Befreiung

Nun wissen wir aber, dass unser Herr und Erlöser nicht dasitzt und sagt: „Selber Schuld!“ Vielmehr will er uns von dem befreien, was uns innerlich gefangen nimmt. So verstehe ich auch folgende Verse: Jesus sagte: „Ich sage euch: Jeder, der sündigt, ist ein Sklave der Sünde. Ein Sklave gehört nur vorübergehend zur Familie, ein Sohn dagegen für immer. Nur wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei.“ (Joh. 8,34-36) Jesus Christus lässt uns also nicht im Regen stehen. Er räumt aber auch nicht ständig hinter uns auf. Vielmehr befreit er uns von innen her, wenn wir ihn darum bitten. Lasst uns deshalb seine Erlösung ergreifen, damit wir nicht eine doppelte Last mit uns herumtragen müssen oder jemand anderem eine doppelte Last auferlegen. Dann wird das Wort unseres Herrn wahr, als er sagte: „Denn das Joch, das ich auferlege, drückt nicht, und die Last, die ich zu tragen gebe, ist leicht.“ (Matt. 11,30)

Hans-Peter Mumssen