Entscheidungen

von Hans-Peter Mumssen

Ich und mein Haus

Wir befinden uns in der Zeit, in der das Volk Israel gerade das Gelobte Land eingenommen hatte. Ihr Anführer, Josua, hielt ihnen eine eindringliche Rede und ermahnte sie, Gottes Wegen zu folgen. Doch am Ende stellte er seine Zuhörer vor eine Entscheidung:

„Wenn ihr aber nicht bereit seid, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Vorfahren jenseits des Euphrat dienten oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr heute lebt? Ich und meine Familie werden jedenfalls dem Herrn dienen.“ Daraufhin antworteten alle geschlossen: „Wir wollen den Herrn niemals verlassen, um anderen Göttern zu dienen!“ (Jos.24:15-16)

Nun kennen wir die Geschichte Israels und wissen, dass sie immer wieder anderen Göttern gedient haben. Eine getroffene Entscheidung muss sich eben in der Realität bewähren und da geschehen plötzlich Dinge, mit denen man nicht gerechnet hatte. Allerdings war da auch ein Josua, der klar und deutlich verkündete, dass er und seine Familie dem Herrn dienen wollten. Von ihm ist nichts bekannt, dass er davon abgekommen wäre. Die Frage an uns ist nun: Wie können wir die richtigen Entscheidungen treffen - und sie auch halten?

Die wichtigste Entscheidung

Egal wie unser Leben bisher verlaufen ist, ob wir Christen sind oder nicht, und ob wir unser Christsein konsequent leben - die wichtigste Entscheidung ist und bleibt, Jesus Christus in allem zu vertrauen und ihm die Leitung unseres Leben zu übergeben! Diese Entscheidung wird ständig auf den Prüfstand gestellt. Das ändert sich auch nicht, wenn man schon lange Christ ist. Sie muss also immer wieder erneuert und vor allem ins Leben transportiert werden. Wenn wir das nicht tun, stehen wir in Gefahr, dass unser Christsein nur noch ein Etikett und kein Lebensinhalt mehr ist. Ich denke mal, niemand von uns will so etwas.

Nun haben wir als Christen einen Beistand - jemand, der uns hilft, unsere Entscheidung für Jesus im praktischen Leben umzusetzen. Dieser Beistand ist der Heilige Geist, dessen Wirksamkeit oft unterschätzt wird. Der Heilige Geist ist nicht nur da, wenn man bestimmte Lieder singt oder Gebete spricht. Er ist besonders dann da, wenn wir allein sind, unter Druck und von innen und außen getrieben, Dinge zu tun, die Gott nicht will. Manchmal merken wir nicht einmal, dass wir uns von Gott entfernen, weil wir ihn in unsere Gedanken und Entscheidungen nicht mit einbeziehen. Nun ist aber jede Entscheidung ohne Gott auch eine Entscheidung gegen uns selbst, denn Gott hat einen guten Weg für uns. Einen Weg, der uns in der Tiefe unserer Seele glücklich macht und auch unser praktisches Leben regelt. Dem wollen wir einmal näher nachgehen.

Lebensentscheidungen

Nicht jede Entscheidung hat den gleichen Stellenwert. Das Ehegelöbnis steht gewiss ganz weit oben. Entsprechend umkämpft ist es aber auch. Wie kommt es, dass inzwischen auch viele christliche Ehen zerbrechen? Ich meine, es sind die sogenannten „kleinen Füchse, die den Weinberg verderben“. Recht selten ist, dass eine Seite von Anfang an beabsichtigte, die Ehe zu brechen oder auszusteigen. Oft schaukeln sich die Dinge hoch. Es beginnt im Verborgenen. Irgendein kleiner Wermutstropfen belastet die Beziehung und vor allem die Liebe. Das ist ganz normal. Doch nehmen wir Gott da mit hinein? Und wie nehmen wir Gott mit hinein? Soll er alles gut machen? Vielleicht den Partner verändern? Wenn unser Haus, in dem wir leben, Risse hat, dann ist es nicht wichtig, wer Schuld an diesen Rissen hat. Wichtig ist, dass sie gefüllt werden. Das ist auch mit Arbeit verbunden, in der uns Gott hilft, sie uns aber nicht einfach abnimmt. Wir könnten natürlich auch sagen: „Unser Haus ist mir egal. Wenn es anfängt zu lecken, dann ziehen wir in ein neues Haus.“ So eine Einstellung in Bezug auf die Ehe ist schon fast ein Todesurteil für die Ehe. Doch was sollen wir tun, wenn Ehen nun schon 5 zerbrochen sind? Ich bin fest davon überzeugt, dass Jesus Christus mit uns immer dort weitergeht, wo wir uns gerade befinden. Wichtig ist, dass wir uns an ihn wenden und ihm nicht vorschreiben, welche Lösung er für uns schaffen soll. Selbst, wenn wir uns als Christen schwer versündigt haben, gibt es immer einen Weg nach vorn. Doch wir müssen Jesus das Steuer in die Hand geben, sonst gibt es nur noch menschliche Fluchtwege, die meistens die nächsten Probleme erzeugen. Wir sollten nicht vergessen: Gott kann das Unmögliche möglich machen! Sein Weg ist nicht immer sofort sichtbar, besonders wenn wir leiden oder in Panik sind, doch sein Weg ist kraftvoll und endet nicht in einer Sackgasse! Es gibt noch mehr Lebensentscheidungen neben der Ehe. Zum Beispiel Kinder. Die Entscheidung für ein Kind treffen nicht immer wir. Manchmal trifft sie auch Gott. Doch jedes Kind ist von Gott gewollt und geliebt. Deshalb sollten wir uns ebenfalls entscheiden, jedes Kind zu wollen und zu lieben. Zu dieser Entscheidung gehört auch, dem Kind ein geborgenes Umfeld zu geben - die Familie. Wir leben nicht nur für uns selbst, sondern für Gott und für diejenigen, die ohne uns nicht wären. Auch hier gibt es viele kleine Entscheidungen, in die wir Gott und Gottes Wort mit hineinnehmen sollten.

Der richtige Weg

Wie können wir nun dahin kommen, Entscheidungen zu treffen, die Jesus entsprechen und uns segnen? Zunächst ist es wichtig, unsere Vergangenheit unter das Kreuz Christi zu bringen. Was auch immer dort geschehen ist, ob wir uns selbst verfehlt oder andere uns übel mitgespielt haben, alles gehört unter das Kreuz. Das Kreuz Jesu Christi ist der Ort, wo wir Vergebung und Heilung finden. Nicht unbedingt Vergessen, doch Jesu Sterben für uns nimmt alles mit in seinen Tod, sodass es seine Macht über uns verliert. Wir sind also nicht mehr Gejagte der Vergangenheit. Nun können wir wieder neu ansetzen. Doch nicht nach unserer Fasson, sondern als Nachfolger Jesu. Das bedeutet, wir suchen bei jeder großen und auch kleinen Entscheidung den Weg, den Jesus uns vorangeht oder von dem wir wissen, dass Jesus so handeln würde. Woher aber erfahren wir, welcher Weg der richtige ist? Jesus selber gibt die Antwort: „Wenn der Vater den Ratgeber als meinen Stellvertreter schickt - und damit meine ich den Heiligen Geist -, wird er euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh.14:26) Der Heilige Geist wird uns die Antwort geben, doch wir sind auch aufgefordert, uns intensiv mit Gottes Wort zu beschäftigen. Der Heilige Geist kann uns nur an etwas erinnern, was uns irgendwann einmal bekannt war. Wenn Christen nur von Predigten leben, erinnern sie sich mehr an Predigten und Prediger als an Jesu Worte. Der Heilige Geist transportiert Jesu Worte in unsere konkrete Lebenssituation. So können wir gute Entscheidungen treffen. Wenn wir nun wissen, was richtig ist, sind wir ja noch nicht automatisch in der Lage, entsprechend zu handeln. Der dritte Schritt ist, damit zu rechnen, dass Gott uns die Kraft zur Umsetzung seines Wortes gibt. Am Anfang haben wir von Josua gelesen. Josua war ein Mensch, der mit dieser Kraft rechnete. Als Israel vor dem Gelobten Land stand, bekamen viele Angst vor den Einwohnern Kanaans. Es sollte dort sogar Riesen geben. Auch Josua überschätzte sich nicht in seiner Kraft, doch er rechnete mit Gottes Kraft. Eigentlich lebte er nach einem einfachen geistlichen Prinzip: Wenn Gott uns zu etwas beauftragt, dann gibt er uns auch das Vermögen dazu. Sei es nun Kraft oder Geld oder Einfluss oder irgendetwas anderes. Wenn wir mit Gottes Kraft rechnen, verändern sich unsere Entscheidungen! Doch wie erleben wir diese Kraft? Ganz einfach: Indem wir einfach dem vertrauen, was Jesus uns sagt: „Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist geben, die ihn darum bitten.“ (Luk.11:13)

Pastor Hans-Peter Mumssen